Clave Azul – Looking Inward

Die Seele einer Band

Wer sich den Namen des Ensembles „Clave Azul“ vergegenwärtigt, der ahnt vielleicht schon zu welchem Genre sich diese Band einordnen ließe. Erfreulicherweise wird die Band ihrem Namen nur bedingt  gerecht. Entgegen der Erwartung, man bekäme vielleicht mit dem Debutalbum „Looking Inward“ ein Latinjazz-Album zu hören, bietet der Pianist und Komponist Daniel Stawinski dem aufmerksamen Hörer weit mehr.

Seine Kompositionen bedienen sich durchaus wichtiger Elemente lateinamerikanischer Musikstile, aber er versteht es  diese geschickt mit modernem Jazz und vor allem mit dem Sound der einzelnen Musiker zusammenzuführen. Das Ergebnis ist sehr erfrischend, spannend und bereitet viel Spaß beim Hören.

Sound-Mix

Das Album eröffnet mit dem vertrauten Sound eines Fender Rhodes, einer energetisch treibenden Rhythmusgruppe und einem ersten Highlight – einem Solo des Schlagzeuger Diego Pinera. Obwohl auf der CD als zweiter Titel abgelegt, führt das Solo in eine schöne ausgedehnte Klavierüberleitung des zweiten Titels ein. Er weist mit seiner Melodie einen klaren Bezug zum ersten Titel auf,  die sparsame Instrumentierung führen aber in eine andere Atmosphäre und  in das nächste Solo ein: unterlegt mit luftigen, aber rhythmisch vertrackten Unisonoparts der Rhythmusgruppe überzeugt der Saxofonist Philipp Gropper mit improvisatorischem Können. Das Ensemble zeichnete sich aber nicht nur durch die einzelnen solistischen Leistungen aus, ganz besonders ist das Zusammenspiel. Das aufeinander Reagieren, das gemeinsame Gespür für den Moment und Klang ist eine besondere Stärke der Formation, wie dies beim Patagonischen Volkslied, der dritte CD-Titel, zur Geltung kommt.

Insgesamt spiegelt das Album die klangliche Bandbreite des Ensembles wieder, welche sich auch durch die kompositorischen Vorgaben, sowie Freiräume des Bandleaders voll entfalten kann. Der Schlagzeuger Diego Pinera und der Congaspieler Robby Geerken verleihen dem Ensemble einen wesentlichen rhythmischen und klanglichen Kern. Um diesen Kern herum vereinen sich die spannenden Formen der Kompositionen, mit dem etwas rauchigen, aber weichen Saxofonklang, dem präsenten Fundament des Bassisten Mar

cel Krömker zu einem herausragenden Bandsound.  Es ist auch zu spüren, dass die Persönlichkeit der Musiker auf besondere Weise ihren Einfluss auf die Musik und den Klang ausüben – in einer Art und Weise, die viele zeitgenössische Jazzformationen missen lassen.

Moderner LatinJazz

Das Album zeigt welche Richtung der moderne Latinjazz gehen kann, wie erfrischend und bereichernd ein Congaklang außerhalb von Salsa & Co. klingen kann. Der Zuhörer wird beim Hören vielerlei kleine Überraschungen erleben:  hier und da frei improvisierter Exzesse, montunoartige Höhenflüge, aber auch intime Fünfsamkeit sorgen für abwechslungsreichen Hörgenuss. Die Einspielung bietet tiefe Einblicke in die Seele des Ensembles.


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Erschienen bei

Musiker: Daniel Stawinski (p.,comp.), Marcel Krömker (b.), Diego Pinera (dr.), Robby Geerken (Perc.), Philipp Gropper (Sax.),

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
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