Diego Pinera – Reflexiones feat. Tony Lakatos

Bereits der Name des Schlagzeugers und Bandleaders Diego Pinera lässt seine lateinamerikanische Herkunft vermuten. Wer allerdings annimmt, hinter seinem musikalischen Schaffen verbirgt sich jene Musik, die im Allgemeinen als Latinjazz bezeichnet wird, muss sein Weltbild spätestens nach dem Hören dieses aktuellen Albums „Reflexiones“ neu hinterfragen.

Hohe Qualität

Das hier wahre Könner am Werk waren zeigt sich bereits beim ersten Titel Forward : das Klavier führt beinahe „funky“ in das Stück ein, gefolgt von einer Unisono-Linie der Band, waghalsigen Improvisationen über sich ständig ändernde Metriken, dies alles begleitet vom virtuos-musikalisch reichem Spiel des drummers Diego Pineras. Die Qualitäten des Albums sind sofort zu spüren und es wurde offenbar tatsächlich neu über Musik nachgedacht.

Eigene Kompositionen

Das gesamte Album spiegelt aber auch durch die Kompositionen Pineras nicht nur seine persönliche, als auch die aktuelle Welt des modernen, avantgardistischen Latinjazz wieder. Die enge Verzahnung musikalischer Konzeptionen lateinamerikanischer Herkunft, der omnipräsenten Tradition des US-amerikanischen Jazz und des Auslotens neuer Formen und Metriken sind die Eckmarken des Albums.

Da fiel es leicht den Gastsolisten Tony Lakatos mit auf die musikalische Reise zunehmen. Der US-amerikanische Saxofonist fügt sich mit seinem warmen Tenor- oder Sopransound, energetisch als auch experimentierfreudig in das Ensemble ausgezeichnet ein und versorgt den Hörer mit ausgezeichneten ‚Lines„.

Nicht (nur) für Schlagzeugfreaks

Jegliche Befürchtung ein Album für Schlagzeug-Freaks in die Hände zu bekommen sind unbegründet. Jedes Mitglied ist gleichermaßen präsent: Tino Derado sorgt für die harmonische Ausgestaltung und brilliert mit beeindruckenden Improvisationen, Marcel Krömker sorgt am Kontrabass für die nötige Stabilität und für das „Fundament“ des Quintetts. Ein besonderes Highlight ist der Perkussionist Rooby Geerken: Alle Drum- und Perkussionsfans kommen spätestens beim letzten Titel „Familia“ auf Ihre Kosten.

Für Neuankömmlinge hält das Booklet ein paar Erläuterungen zu den Kompositionen bereit. Insgesamt ein knackiges, modernes Latinjazz-Album neuer Generation, welches in der Tat auch sehr schöne Balladen anzubieten hat. Dieses Album bewegt sich im selben erlesenen Kreis anderer internationaler Veröffentlichungen dieses aufstrebenden Genres.

cover refelxionesErschienen bei Octason Record (LC 23503)

Musiker: Diego Pinera (dr.,comp.), Marcel Krömker (b.), Robby Geerken (Perc.), Tino Derado (p.), Tony Lakatos (Sax.)

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
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