Diego Pinera Quartett – Fein und exklusiv

Mein heutiger Konzertabend war ein wahrhaft seltenes Erlebnis. Es spielte das Diego Pinera Quartett im WALDO und wer vielleicht das WALDO kennt, weiß um die besondere Atmosphäre des Ladens. Er ist bei Musikern beliebt, weil sein Besitzer und die Mitarbeiter im besonderen Maße die Musik und Musiker unterstützen und er mitsamt seiner wahrhaftigen Wohnzimmeratmosphäre der richtige Ort für feine und intime Konzerterlebnisse ist.

So auch heute. Ich hatte irgendwie auch den Eindruck, dass sich die Stimmung im WALDO inspirierend auf die Musiker ausgewirkt hatte.  Um den Schlagzeuger Diego Pinera herum, fanden sich Tino Derado am Klavier, Peter Ehwald am Saxofon und Phil Donkin am Kontrabass ein. Die Musiker schienen sich sehr wohl zu fühlen und wer die Musiker kennt, erahnte schon, dass dieses Konzert von besonders hohem Niveau sein musste. Während der Ort bereits mit seiner Atmosphäre für die feine, intime Konzertstimmung sorgte, verlieh die Auswahl der jungen Eigenkompositionen des Schlagzeugers dem Konzertabend den exklusiven Charakter. Nahezu alle Kompositionen sind in etwa um die 4 Monate alt, wurden bis heute kaum in dieser Besetzung – überhaupt – gespielt und sollen sogar im Oktober 2013 erstmalig im Studio aufgenommen werden. Sicherlich bekam man an der einen oder anderen Stelle zu spüren, dass nicht alle Parts 100%ig groovten – wohlbemerkt bei einer äußerst komplexen Musik und wahrscheinlich war bei den viel beschäftigten Musikern wie so oft wenig Zeit für Proben da.

pinerawaldo03Aber ich betone, dass das der Musik und dem Konzert nur wenig geschadet hat. Nicht nur das hohe Niveau und die Spielroutine der Musiker glichen das eine oder andere kleine Malheur aus, sondern die Musik alleine überzeugte bereits durch Ihre spannende Mischung aus knackiger Polyrhythmik, ihrer hohen Spielintensität und der frischen Spontaneität der Musiker. Der Sound der Band wurde verständlicherweise vom Schlagzeuger definiert, aber alle Musiker fanden Ihren Platz und trugen so für einen überzeugenden Gesamtklang bei. Beim energiereichen Spiel Diego Pineras konnten alle Musiker locker mithalten, vielmehr pushte es die Musiker. Auch während der Schlagzeugimprovisationen, die zudem noch mit ausgefeilten rhythmischen Einwürfen arrangierten wurden, ließen sich die Musiker nicht aus der Ruhe bringen und waren eine Einheit.

Besonders beeindruckt hat mich eine Ballade: eine vergleichsweise eingängige Melodie, gepaart mit farbenreichen Akkorden und eine warmen Saxofonton haben in mir eine schöne Mischung aus Melancholie und Leichtigkeit ausgelöst. Jeder Musiker hat stets seinen Platz gefunden, nie zuviel oder zu wenig gespielt. Besonders ist mir der Einstieg in das Saxofonsolo in Erinnerung geblieben: ein gleichmäßiger Ton, der seine Farbe durch die wechselnden Harmonie verändert…in diesem Moment der Musik und der Stimmung einfach genial.

Da ich bereits vergangene Konzerte von Diego Pinera, aber auch die der anderen Musiker besucht habe, sehe ich die Besetzung des heutigen abends als eine äußerste vielversprechende Formation. Jeder Musiker bringt nicht nur seine Persönlichkeit mit hinein, sondern zudem ergänzen sie sich, wie ich finde, in hervorragender Weise. Auffällig war auch, dass die Musiker sich gerne gegenseitig zuhörten und sich ein Lächeln auf den Mundwinkeln zauberten.

Vor dem Hintergrund, dass die heutige Besetzung auch genauso im Oktober das Studio betreten wird, bin ich sehr auf das Ergebnis der Studiosession gespannt. Das heutige Konzert war das vorerst letzte vor der Aufnahemsession, aber ich kann jedem empfehlen bei der nächsten Gelegenheit diese Band live zu erleben….am besten auch im WALDO.

Konzert vom 3. Juni 2013 im WALDO, Torstrasse 164, 10115 Berlin, www.waldo-berlin.de 

Diego Pinera Quartett mit Diego Pinera (dr.), Tino Derado (p.), Phil Donkin (b.) und Peter Ehwald (Sax.) 

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
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