Aula & Reidenbach und Astrocombo

© Frank Blum 2013

Die beiden auftretenden Bands könnten kaum gegensätzlicher sein an diesem Abend in der Werkstatt der Kulturen.
Das Konzert fand im Rahmen des Veranstaltungslabels Naked Jazz statt, veranstaltet vom omnipräsenten Schlagzeuger und Impresario Eric Vaughn, der zugleich durch den Abend führte.

Während draußen der Sommer schon wieder vorbei schien, herrschte im Kellergewölbe der „Werkstatt der Kulturen“ fast tropische Hitze. Dieses Klima passte ideal zu der rhythmisch pulsierenden Musik der Astrocombo, die im zweiten Teil des Abends auftrat und lautstark gefeiert wurde.
Im ersten Set gab es ein Duo. Giacomo Aula aus Italien am Klavier und Benedikt Reidenbach an der Gitarre spielten ruhige, heitere Musik, die an Filmmusik erinnerte, was nicht verwundert: Die Kompositionen Aulas sind Filmkomponisten wie Nino Rota und Regisseuren wie Pasolini gewidmet.

Vaughn spricht in einem Interview zum Konzert von der „willingness to bare one’s soul“ als Ziel der Reihe und Jazz als einem „dialogue of energy“ zwischen den Musikern untereinander und zwischen den Musikern und dem Publikum. Diese Energie war im zweiten Teil des Konzerts stark zu spüren: Laura Robles Marcuello (Komposition, Elektrobass) trat mit einer „All Star“-Band auf – alles, wie Eric Vaughn hervorhebt, Musiker mit eigenen Bands: drei Blechbläser (Wanja Slavin und Florian Trübsbach an Alt- und Tenorsaxophon, Johannes Lauer, auch verantwortlich für Arrangements, an der Posaune), zwei Perkussionisten (Robby Geerken an den Congas und Diego Pinera am Schlagzeug), die teilweise noch durch Johannes Lauer perkussiv unterstützt wurden.

Kaum haben die sechs Musiker die Bühne von Aula und Reidenbach übernommen, powerten sie gleich los – polyrhythmische, fiebrige Latinpercussion traf auf dichten Bläsertrioklang, mal fast meditative Klänge oder Digeridoosound, dann wieder wilde Improvisationen. Mittendrin Laura, die mit ihren starken, impulsgebenden Basslinien das Fundament und die treibende Kraft der Combo darstellte.
Zwischendurch zwei Stücke in kleinerer Besetzung, eines im Duo mit Bass und Posaune, das komplizierte Rhythmen mit einer liedhaften Melodie verbindet – man merkt den Kompositionen von Robles an, dass sie auch Perkussionistin ist. Das andere Stück – dieses mal ohne Rhythmusgruppe, was bei Laura Robles‘ perkussiven Basslinien kaum auffällt–  eine Liebeserklärung von Robles an ihren Mann. Einzig die bisweilen hörbaren Bassklänge von der Party im ersten Stock der „Werkstatt der Kulturen“ und die wilden Disco-Lichter störten dieses energetische, kreative Musikerlebnis. Das Publikum wippte, klatschte und war begeistert. Mit einer Zugabe beendete die „Astrocombo“ diesen ansonsten sehr beschwingenden Abend.

Konzert vom 29. Juni 2013 in der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstraße 32, 12049 Berlin
Giacomo Aula (Klavier), Benedikt Reidenbach (Gitarre)

„Astrocombo“ mit Laura Robles Marcuello (E-Bass, Komposition), Johannes Lauer (Posaune), Wanja Slavin und Florian Trübsbach (Alt- und Tenorsaxophon), Robby Geerken (Congas), Diego Pinera (Schlagzeug)

Für die Fotos besten Dank an Frank Blum

Über Bettina Bohle 51 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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