Auf der Suche nach dem verlorenen Publikum – Matīss Čudars-Quartett im Waldo

Vier exzellente Musiker haben sich an diesem Abend im Waldo in Berlin-Mitte zusammengefunden, um bekannte Stücke, v.a. von Thelonious Monk, und Eigenkompositionen des Gitarristen Matīss Čudars vorzutragen. Unterstützt wird Čudars von Bassist Phil Donkin und Schlagzeuger Tobi Backhaus sowie dem niederländischen Bassklarentettisten Joris Roelofs. Matīss Čudars Band © Lena Ganssmann Photography

Nur schade, dass so wenig Publikum da ist, um die Spielfreude von Tobi Backhaus zu erleben oder die Innigkeit und Präzision von Phil Donkins Bassbegleitung. Nach und nach tröpfeln einzelne verstreute Zuhörer herein, während Roelofs die Melodie des Monk-Stücks „Pannonica“ schalkhaft-beschwingt vorträgt. Die Ausflüge Roelofs auf seiner Klarinette, das Brabbeln in der Tiefe, die hohen Töne mit Flageolettanklängen und die schnellen Wechsel von einer in die andere Lage bilden einen aufrauenden und dadurch erfrischenden Gegenpol zu den schönen Klängen, die Čudars auf seiner Gitarre erzeugt.

Matīss Čudars © Lena Ganssmann PhotographyRoelofs und Backhaus spielen sich mit diebischer Freude die Bassbeller der Klarinette und die Schlagzeugsalven zu. Hier wird miteinander musiziert, dass es eine Freude beim Zuhören und Zuschauen ist. Gern rätselt man, ob es um das Land oder die Tiere geht bei der dem Stück „My Passion For W(h)ales“ und freut sich dann an den Hörassoziationen, die Roelofs mit seinen Walgesängen erzeugt. Doch bleibt der Raum halb gefüllt; es hätte sicher geholfen, das Konzert früher und weiter bekannt zu machen. Die Gage bei einem solchen „door gig“  – also einem Konzert, bei dem die Bezahlung aus den Eintrittsgeldern besteht – deckt wohl gerade mal die Fahrtkosten der Musiker.

Alle Fotos © Lena Ganssmann Photography

Über Bettina Bohle 51 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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