FISCHER SPANGENBERG QUARTETT – Voller positiver Energie zum Festival

Nach einer knapp dreiwöchigen Tour durch Deutschland und Österreich ist das Fischer Spangenberg Quartett nun auch im berliner Jazzclub A-Trane angekommen. Anlass der Tour ist die Veröffentlichung des zweiten Albums „Gateway“.

Die Musiker betreten nahezu pünktlich die Bühne des renommierten Jazzclubs, eine Bühne die schon so allerhand Weltberühmtheiten der Jazzwelt getragen hat. Ohne Worte zu verlieren, ertönen sphärische Klänge aus den clubeigenen Lautsprecherboxen. Klänge, welche die Band manchmal auch erst nach langer Suche findet – so stammt der eine oder andere Klang vielleicht auch von einem Sonntagnachmittag via Handyrecorder, wie man später erfährt.

Die ersten zwei Titel werden quasi nahtlos gespielt, man bekommt einen ersten Eindruck von der Ästhetik des Ensembles. Allerdings wollte der Funke hier noch nicht so richtig zum Publikum überspringen. Es bedurfte einer musikalischen Backpfeife, um das scheinbar etwas müde Publikum wach zu rütteln. Der dritte Titel Last Call for Miss Newton leitet die Kehrtwende des Konzertes ein. Sicherlich war auch hier die Anekdote hilfreich, die der Gitarrist Heiko Fischer dem Publikum gekonnt erzählt. Hier die Kurzversion: Pariser Frauengeschichten und ein fast verpasster Flug. Die amüsierten Zuhörer wurden nun auf eine Reise mitgenommen, voller dynamischer Kontraste, rockigen Schlagzeuggrooves mit etwas aneckenden Rhythmusverschiebern und von leise bis ganz laut. Phasenweise erinnert die Musik an die großen und lauten Spannungskurven moderner Pop-Rockbands. Die Band versteht es einen großen, langsamen aber stetigen Aufbau in hohe energetische Zustände zu erreichen. Das Publikum zeigt sich am Ende des Titels vollends begeistert und hellwach.

fischerspangenberg2Der Pianist Christoph Spangenberg greift zum Mikrofon und erzählt etwas über die nächste inspirative Quelle des folgenden Titels Post Office. Er berichtet von seinem längeren Aufenthalt in New York, von den zahlreichen Eindrücken des Wirrwars, dem Melting Pot dieser Millionensstadt. Aber letztlich hat Ihn die ruhige, historische Atmosphäre der alten Postfiliale James Farley dazu inspiriert, seine Erfahrung nun in ein wahrhaft schwebendes und weittragendes Musikstück zu transportieren.

Das Fischer Spangenberg Quartett zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sich die Kompositionen aus einem großen Fundus an Genres bedienen ohne dabei beliebig zu werden. Ob schwebende, großflächige Klänge á la ECM, lauter Rock, Souljazz, oder reiner Modernjazz –  man findet alles gut kombiniert unter einem Dach. Darüber hinaus sind alle Musiker hervorragende Instrumentalisten, sodass auch den nach Virtuosität eifernden Zuhörern einiges geboten wird.

Am Ende gibt es großen Applaus für die Band, welcher mit einer Zugabe belohnt wird. Auch hier bereiten die großen dynamischen Unterschiede des Titels Snatch Up in der Musik große Hörfreude. Zuletzt bedanken sich die Musiker nicht nur für das zahlreiche Erscheinen, sondern ebenfalls für die positive Energie, die sie aus dem Abend mitnehmen dürfen. Energie, die sie für das bevorstehende Konzert am Folgetag beim Jazzfestival in Viersen gut gebrauchen können, denn schließlich „spürt man dann schon etwas den Druck“.

Konzert vom 26.09.2013 im A-Trane Berlin

Musiker: Christoph Spangenberg (piano, rhodes, comp.), Heiko Fischer (E-Git., comp.), Daniel Stritzke (Kontrabass), Konrad Ullrich (Schlagzeug)

http://www.fischerspangenbergquartett.de

Fotos: Daniel Lindenblatt

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
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