snooze-on: Weiterschlafen bei diesen Klängen? Unmöglich!

Die Debüt-CD des Berliner Quartetts snooze-on mischt gekonnt Jazz, Rock und Pop

Die Berliner Band snooze-on hat gerade ihre erste Platte herausgebracht. Das Quartett um den Schlagzeuger Christian Tschuggnal, von dem die Kompositionen auf der CD stammen, präsentiert eine technisch gekonnte Mischung aus Jazz, Rock und Pop.
Tschuggnal war ein Jahr an der Popakademie in Mannheim. Das hört man seinen Kompositionen an – eingängige Melodien und klare Harmonien prägen die zwölf Stücke der CD. Mit von der Partie sind der Saxophonist und Klarinettist Markus Ehrlich, der Gitarrist Charis Karantzas und der E-Gitarrist Thomas Stieger. Der Jazzeinfluss – alle vier Musiker studieren oder studierten am Jazzinstitut Berlin – ist deutlich hörbar: improvisierte Passagen und rhythmische Vielschichtigkeit bieten einen interessanten Kontrast zu den ruhigen, schönen Klängen.

snooze-on verstehen ihre Musik nicht klassisch als Jazz, auch wenn es viele improvisierte Elemente gibt.  Von der Struktur sind die Tracks der Platte Songs, die sich zu einem organisch dahinströmenden Klangpanorama vereinen. Wichtig ist den Musikern, dass keiner im Vordergrund steht. Es gibt keine Jazz-Solos, bei dem nur einer der Musiker sein Können vorführt. Stattdessen ergänzen sich die rhythmischen Salven von Tschuggnal mit den sowohl rhythmisch wie melodisch versierten lines von Karantzas. Hinzu kommen die teils unterstützenden, teils rumorenden Basslinien von Stieger. Darüber legt sich Ehrlich mit seinen Saxophonklängen, der bisweilen noch am ehesten klassische Jazz-Soli abliefert.

Geschichtete Rhythmen, Rockgitarren und Weckerklingeln


Der opener der CD, „Snooze“, ist typisch für den Stil: ein gut abgemischtes Klangpanorama mit darüber flatterndem Saxophon, dann eine ruhige, wenn auch rhythmisch instabile Gitarrenlinie, über die Markus Ehrlich eine heiter-ruhige Saxophon-line bläst. In Popmanier kommen Schlagzeug und E-bass dazu, begleiten, drängen sich nicht in den Vordergrund. Karantzas schwebt mit flirrenden Tönen über dem Geschehen und gibt so dem Geschehen bereits eine leichte Unruhe. Denn es bleibt nicht so beschaulich: Bass und Rhythmus verstärken sich und wenden die ruhig dahinströmenden Klänge in eine rockige Passage, aus der sich das Saxophon jazzig-improvisierend erhebt. Darunter dröhen fast heavy-metal-schwere Gitarren- und Bassriffs und Rhythmen. Das Geschehen verliert seine Geordnetheit und mündet in einer Welle von klingelnden und piependen Weckern – ein Verweis auf Bandnamen und CD-Titel, die auf die Schlummerfunktion des Weckers anspielen. Anschließend fast kompletter Stille. Stieger, der mit seinem flexiblen Können für fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Elementen sorgt, signalisiert mit einem kräftigen Basseinstieg, dass das Stück noch nicht zu Ende ist. Mit Saxophon-Impro und Rockgewühle der anderen Instrumentalisten endet der erste track. Man ist beschwingt und wach und gespannt auf mehr.

Die Ruhe der nächsten Stücke entspricht mehr der Idee, dass man den Wecker ausstellt, sich umdreht und noch ein wenig weiter schläft. Erst mit track vier und fünf, „Sleeping Pills“ plus Intro, kommen wieder wildere Klänge ins Spiel. Hier gibt Karantzas eine hörenswerte Probe seines improvisatorischen Könnens.
Die meisten tracks überschreiten die Pop-Grenze von 3:30 nur wenig – für Jazz sind die Stücke ungewöhnlich kurz. CD und website erinnern von der Aufmachung her auch eher an Produkte des Popgenres.

Die verschiedenen Elemente von Jazz, Rock und Pop fügen sich bei snooze-on zu einem klanglichen Gesamtgeschehen zusammen. Die Übergänge vom einen zum anderen Stück sind fließend, teilweise sogar auskomponiert. Wer ein handwerklich gut gemachtes Crossover aus Pop, Rock und Jazz zu schätzen weiß, ist mit der CD von snooze-on gut bedient. Eine CD für die nun anstehenden dunklen Herbst- und Wintermorgende.

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Informationen zur CD

snooze-on sind

Markus Ehrlich, Tenor-Saxophon, Klarinette
Charis Karantzas, Gitarre
Thomas Stieger, E-Bass
Christian Tschuggnal, Schlagzeug

snooze-on, „snooze-on“,

erschienen am 6. September 2013 auf Birdhill records, ab 8,99 €.

Bestellung per Mail unter office@snooze-on.com oder als download bei den üblichen Anbietern.

Über Bettina Bohle 47 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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