If I can make it there, I’ll make it anywhere

Deutschland hat viele Orte, an denen Jazz studiert wird. Es gibt inzwischen 18 staatliche Jazzstudiengänge, dazu kommen eine Reihe privater Ausbildungsmöglichkeiten. Und doch genügt das scheinbar nicht: Fragt man Musiker nach ihrem Werdegang oder ihren Zielen, so waren die einen schon in den USA und wenn nicht, wollen sie gerade hin. Für ein paar Wochen, Monate, einige sogar für Jahre kommen Musiker aus aller Welt in dieses Land, um sich von der Atmosphäre und den vielen berühmten Jazzclubs inspirieren zu lassen.

Scheinbar gilt für Jazzmusiker: wer noch nicht in den USA war, muss schleunigst seine Koffer packen, getreu nach dem Motto von Frank Sinatra „if you make it here you make it everywhere“.

Die meisten dieser Studierenden kommen, wegen der hohen Studiengebühren und Lebenshaltungskosten mit einem Stipendium. Es zieht die Musiker nach Boston, ans Berklee College, aber zumeist nach New York, ans  City College oder die angesehene Manhatten Music of School.

Der Weg in die USA ist aufwendig, die Stipendien- und Aufenthaltsgenehmigungen kosten Zeit und Geld (siehe Infokasten). Ein großer Aufwand. Lohnt er sich?

In einer Reihe von Interviews habe ich ich mit jungen deutschen Jazzmusikern gesprochen, die in die USA gegangen sind oder gerade gehen. Ich habe sie zu ihren Hoffnungen und Wünschen befragt. Mit einer Reihe von ihnen habe ich schon vor dem Aufenthalt, währenddessen und nach Beendigung des Stipendiums gesprochen. Einige, deren Aufenthalt schon ein paar Jahre zurück liegt, erinnern sich im Rückblick an ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Mitte Oktober erscheint hier auf JAZZAffine.com der erste Teil der monatlichen Interviewserie NY Xperience mit jenen jungen Musikern, die es nach New York gezogen hat und zieht. Den Anfang macht Defne Şahin, eine Sängern aus Berlin, die gerade ein Jahr an der Manhattan School in New York verbracht hat.

© Foto von Lena Ganssmann

Info

„Der lange Weg zum Stipendium und in die USA“

Das DAAD-Stipendium zur künstlerischen Weiterbildung ermöglicht Musikern und anderen Künstlern ein Aufbaustudium im Ausland. Die Bewerbung ist umfänglich, man muss seine Motivation darlegen, vorspielen. Bei den Unis muss man sich noch einmal bewerben, man braucht beides, Stipendium und Studienplatz.

Obwohl der Master, für den sich die meisten Stipendiaten einschreiben, zwei Jahre dauert, fördert der DAAD erst einmal nur ein Jahr, danach ist eine Wiederbewerbung und ein erneutes Probespiel notwendig. Auf der daad-Seite heißt es dazu: „Die Stipendien im Fachbereich Musik gelten für ein Studienjahr … Sie können in Ausnahmefällen verlängert werden.“

Die Stipendien sind Teilstipendien, sie decken meist die Studiengebühren, oft aber auch nicht komplett, das kommt auf die Uni an. Für den Lebensunterhalt ist auch gesorgt im Stipendium, allerdings reicht der Betrag – gerade für das teure New York – meist nicht aus. Die Studierenden müssen sich nach anderen Geldquellen, z.B. weiteren Stipendien umsehen.

Über Bettina Bohle 51 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene

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  1. NYXperiences - Defne Şahin | JAZZAffine.com JAZZAffine.com

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