Defne Şahin

Die JAZZAffine.com –  Serie NYXperiences. „If I can make it there, I’ll make it anywhere.“ Interview mit der Sängerin Defne Şahin, die seit Sommer 2012 an der Manhattan School of Music in New York ihren Master macht. Von Bettina Bohle

Jazz, Pop? Musik ! | DAAD-Stipendium | „Hier haben die Leuten einen anderen drive“ | Der schwierige Weg ins 2. Jahr an der Manhattan School

„Für mich würde ich einfach nur sagen: ‚ich mache Musik’“

Ich treffe Defne das erste Mal für ein Interview am 22. Juni 2012. Die Sängerin Defne Şahin ist eine waschechte Berlinerin. Mit türkischen Wurzeln. In ihrer Aufnahmeprüfung am Berliner Jazz Institut JIB wurde sie gefragt, ob sie nicht was „Türkisches“ singen könne. Defne erzählt:

„Für mich war Jazz damals eindeutig nichts Türkisches. Ich hatte schon viel türkische Musik gehört. Aber warum gingen die davon aus, dass ich das singen kann oder möchte?“

Inzwischen ist Defne mit ihren Vertonungen von Gedichten von  Nazım Hikmet, einem berühmten türkischen Dichter des 20. Jh., sehr erfolgreich.

Erster Kontakt mit den USA in der Schulzeit

Defne hat in Berlin ihr Abitur gemacht, während der Schulzeit war sie ein Jahr als Austauschschülerin in den USA. Schon vorher hatte sie viel gesungen, aber in Philadelphia machte sie erste hands-on Bekanntschaft mit Jazz. Und war fasziniert:

„Als ich nach Amerika gegangen bin, fand ich toll, wie groß das musikalische Angebot an den Schulen war. Am Anfang der Schulzeit gab es auditions für verschiedene Ensembles. Für die Big Band, z.B, habe ich neulich das audition-package wiedergefunden. Die wollten, dass ich eine Pentatonik singe. Das hatte ich vorher noch nie geübt. Die Gastfamilie hatte kein Keyboard, sondern nur so ein Spielzeug-Xylophon, mit dem ich dann geübt habe. Und dann sollte man noch Girl  from Ipanema singen, also einen Standard. Den habe ich ein paar Tage geübt. Mein Musiklehrer meinte, ich solle es einfach probieren. Und dann haben sie mich tatsächlich ausgewählt, das war einfach der Wahnsinn. Das war die erste Berührung mit einer tatsächlichen Jazzbesetzung.

Das erste Lied, was ich mit der Big Band gesungen habe war Come Rain or Come Shine. Das singe ich immer noch total gerne. Der Lehrer war super und meinte: ‚Du musst den Song auspressen wie eine Zitrone und am Ende ist nix mehr von ihr übrig‘. Er hat mir eine Aufnahmen von Billie Holiday gezeigt. Das war natürlich total krass für mich. Ich war erst 16 und singe dann mal wie Billie Holiday – oder komm‘ annähernd da ran.“

Jazz, Pop? – Musik!

Vorher war Jazz nur eine unter vielen Musikrichtungen, die Defne hörte und spielte:

„Seit meinem fünften Lebensjahr spiele ich Klavier. Davor war ich in der musikalischen Früherziehung . Ich  hatte als Teenager auch schon Gesangsunterricht gehabt und habe Standards gesungen, aber hatte eigentlich keine Ahnung vom Jazz. Damals habe ich hauptsächlich R’n’B und Pop gehört. Nach diesem Jahr in Amerika hab ich mir hier bei der studienvorbereitenden Ausbildung angemeldet. Ich war mir nicht so sicher, was ich letztendlich machen soll. Ich habe eine Zeit lang noch Klassik als Hauptfach genommen, es macht mir viel Spaß, Klassik zu singen.
Ich wusste nicht, ob ich nicht vielleicht sogar Lehramt studiere und klassischen Gesang als Hauptfach nehme. Damals konnte man Gymnasiallehramt nur mit der Klassik machen. Aber dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich ein bisschen mehr Freiheiten brauche.“

Defne hätte auch Popmusik studiert, wenn es damals, als sie anfing zu studieren, schon so viele Studiengänge dafür gegeben hätte wie heute, sagt sie:

„Jazz habe ich hauptsächlich wegen der Freiheit studiert, dass man etwas eigenes kreieren kann und soll. Wenn ich das Angebot von heute gehabt hätte, hätte ich vielleicht auch Pop studiert. Als Musiker lebt man in der großen Welt der Musik und bekommt viele verschiedene Stile mit. Weltmusik – was eigentlich ein furchtbarer Begriff ist –, Bossa Nova, Pop, Hip Hop, das sind alles Einflüsse, die ich habe.  Wenn ich kreativ bin, kann ich das ja nicht  wegschalten. Es ist ja nicht so, dass du nur Jazz hörst, nur weil du es studierst. Für mich würde ich einfach nur sagen, ich mache Musik.“

Master oder kein Master, das ist hier die Frage

Nach ihrem Bachelor wollte Defne künstlerisch auf eigenen Füßen stehen und ihre eigenen musikalischen Vorstellungen umsetzen können. Einen Master wollte sie eigentlich nicht machen.

„Das kam für mich nicht in Frage. Ich hatte genug von der Jazzschule, ich fand das Studium nicht immer einfach, ich brauchte  erst einmal Distanz. Außerdem ist Jazz etwas, das auf der Straße, in den Bars und im Leben entsteht. Deswegen habe ich auch ein so großes Interesse am Leben, an Erfahrungen und am Reisen.“

Zwei Jahre hat Defne nach ihrem Bachelor-Abschluss am JIB an ihren Projekten gearbeitet, war in der Türkei und in Brasilien.

„Ich fand diese zwei Jahre in der Freiheit total schön,  aufregend und ereignisreich; gerade durch die CD Yaşamak – to live with the words of Nazım Hikmet. Auch meine Brücke nach Istanbul funktioniert gut. Ich bin glücklich, wie das gerade läuft.“

DAAD-Stipendium für die Manhattan School of Music

Aber es gab auch das Bedürfnis nach künstlerischer Weiterentwicklung:

„Ich hätte gern  mehr Zeit Musik zu entwickeln, zu komponieren, aber einfach auch zu singen und zu üben.“

Defne bewirbt sich um ein DAAD-Stipendium und bekommt es. Die Finanzierung ist nicht einfach. Das DAAD-Stipendium sei schon das größte Stipendium für die USA, das man bekommen könne, aber es reicht weder für die Studiengebühren noch für die teuren Lebenshaltungskosten in New York:

„10 000 Euro fehlen mir, trotz Stipendium.“

Die Manhattan School ist ein Grund, warum sie nach New York möchte.

„Es gibt noch so viele Sachen, die ich lernen möchte. An der Manhattan School gibt es offenbar ganz tolle Kompositionskurse. Mit Theo Bleckmann, meinem Lehrer, hatten wir schon mal einen Workshop am JIB. Das ist ein Traum, jetzt bei ihm Unterricht zu haben. Auch die anderen Lehrer, z.B. von den ‚New York Voices‘, sind ganz tolle Musiker.“

Manhattan School? New York!

„Das Stipendium ist erstmal für ein Jahr, man kann verlängern, also zum Vorspiel kommen. Wenn sie Lust haben, schicken sie dich noch mal hin. Das ist irgendwie unlogisch. Aber viele gehen auch hin, um mal zu gucken. Ich würde behaupten, die wollen eigentlich gar keinen Abschluss, die wollen vielleicht noch nicht mal das Studium. Die wollen New York.“

Auch für Defne ist die Stadt selbst ein Grund:

„In New York wohnen alle Leute, die ich höre, Esperanza Spalding, Aaron Parks, usw. Oder sie haben zumindest mal dort gelebt. Es ist schon ein Reiz, da hinzugehen und sich mit denen austauschen zu können, Musik zu machen, Unterricht zu nehmen und zu jammen. Ich war ja im März da für die Aufnahmeprüfungen; da habe ich viele Konzerte gehört und viele Leute kennengelernt, die ich vorher nur von der CD kannte. Man kann sie immer fragen, ob man Unterricht haben kann; die meisten haben Zeit. Die brauchen ja auch immer Geld.“

Bohle: Warum muss man in die USA und speziell nach New York um Jazz wirklich zu lernen?

„Auf jeden Fall sind da viele Clubs, z.B. in Greenwich Village, da sind etwa zehn, die kann man alle zu Fuß abklappern. Das ist eine Jazzwelt! Das ist schon faszinierend. Ich war da auch fast jeden Abend unterwegs. Man hat das Gefühl, dass alles auf höchstem Niveau ist und total Multikulti. Jeder kommt, weil es so ein Magnet ist, von überall her. Berlin ist auch so, aber das Niveau ist da, glaub ich, ganz anders.“

Wie kommt man zur Ruhe in der Stadt, die niemals schläft?

Die Hektik der Stadt sorgt Defne ein wenig:

„Ich habe so meine Bedenken, dass ich in New York nicht wirklich zur Ruhe komme und dass es finanziell ungemütlich wird. Ich brauche schon einen gewissen Standard. Ich lebe nicht im Reichtum, aber ich kann mir alles leisten, was ich zum leben brauche. Das wird da auch anders. Darauf hab ich keine Lust.

Der Trick ist wahrscheinlich cool zu bleiben, seine Mitte nicht zu verlieren und jeden Tag Yoga zu machen. Ich bin ein Großstadtmensch, aber ich brauche auch meinen Rückzugsort. In Istanbul ist das z.B. auch so, dass ich mitten im Trubel wohne. Da sind eben die Konzerte und da habe ich zu tun. Dort habe ich gemerkt: Ich muss alle zwei Monate aus der Stadt raus, sonst werde ich verrückt. Istanbul hat ein paar Inseln, die Prinzeninseln, da kann man ganz leicht mit der Fähre hinfahren. Das habe ich dann immer gemacht, ganz alleine, habe nichts gehört und nur Wasser gesehen.“

Ich frage, ob Defne vor der Stadt und dem Konkurrenzkampf Angst hat. Sie sagt:

„In New York sind natürlich viele Kollegen, da kämpft jeder.“

Aber sie sagt auch:

„Das mit dem Untergehen ist eine Sache mit zwei Seiten der Medaille. Einerseits gibt es dort wahrscheinlich bessere Sänger, nach irgendwelchen Kriterien. Andererseits ist New York auch eine große Chance. Es gibt da eben auch die Möglichkeit, etwas zu schaffen, Leute kennenzulernen. Irgendetwas wird passieren, irgendetwas passiert immer.“

„Hier haben die Leuten einen anderen drive“

Nach einem halben Jahr an der Manhattan School sagt Defne, dass ihre Erwartungen sich mehr als erfüllt haben:

„Die Hochschule übertrifft jegliche Erwartungen, die ich hatte und ich merke bereits nach einem Semester, dass ich auf vielen musikalischen Ebenen wachse.“

Diesmal sprechen wir – weil ich selbst gerade anderweitig stark eingebunden bin – nicht persönlich miteinander, sondern Defne schickt mir Material aus ihrem Antrag auf Verlängerung des Stipendiums. Sie erzählt später von Uni und Kommilitonen:

„Für mich ist das besondere an der Manhattan School , dass Theorie und  Praxis so eng miteinander verbunden sind. Im styles-Kurs bei Phil Markowitz z.B. haben wir fast jede Woche einen neuen Stil im Jazz analysiert; wir mussten auch gleich eine Komposition in diesem Stil schreiben und diese dann  in der Klasse aufführen.“

Es sei nie trockener Theorieunterricht, sondern alles werde gleich in die eigene musikalische Sprache übertragen, freut sich Defne:

„Das hat mir kompositorisch viel gebracht.“

Auch ihre Kommilitonen sind für Defne eine Bereicherung:

„Die Manhattan School hat unglaublich talentierte Studenten, da sind Leute, die haben die Monk-competition gewonnen, haben Medienrummel und stehen im DownBeat Magazine. Das Besondere hier in New York ist auch, dass die Kommilitonen aus der ganzen Welt kommen. Wir haben eine total internationale Klasse, aus Indien, Israel, Japan, Deutschland, Frankreich.“

Am Nabel des Jazz

Defne berichtet vom Sog der Stadt, der alle mitzieht:

„Natürlich ist auch Berlin total international und man ist da auch vernetzt, aber hier haben die Leute einen anderen drive.“

Bohle: Sind das die Studenten oder gilt das auch für die Stadt?

„Insgesamt für die Stadt; aber die Studenten sind ja auch aktiv als Musiker in der Stadt, also kann man das nicht so trennen. Wir tauschen uns hier die ganze Zeit aus, es wird eigentlich immer irgendwas noch ausprobiert, wenn jemand was Neues geschrieben hat. Ich habe hier z.B. Leute gefunden, mit denen ich meine türkischen Volkslieder ausprobieren kann, das klingt wahnsinnig. Ich habe einen israelischen Pianisten gefunden, der total affin für mediterrane Musik ist. Es ist beruhigend, dass es hier gar nicht nur um straight-ahead Jazz geht, sondern dass die Leute stilistisch so offen sind.“

Bohle: Es klingt fast so, als würde permanent neu kreiert.

„Das glaub ich auch, aber die Musiker sind hier schon traditionsbewusst. Manche sind damit aufgewachsen, Louis Armstrong zu hören. Aber andere eben nicht, die haben ihre Volksmusik aus der Heimat gehört und dadurch hat ihre Musik eine ganz andere Farbe. Jeder bringt hier eine andere Tradition mit und bereichert die Musik damit. Es ist den Musikern bewusst, dass sie eine individuelle Sprache entwickeln wollen oder müssen. Und dann wäre es nur die halbe Wahrheit, wenn man seine eigene Tradition wegklickt und sich nur den Jazz-roots widmet.“

Defne beschreibt, dass sie sich durch das Land und die Leute dem Jazz näher fühlt:

„Ich bin der Jazztradition hier viel näher, singe mehr Standards und höre viel mehr die alten großen Sänger und Instrumentalisten. Das fühlt sich hier aber viel natürlicher an; ich fühle mich dabei noch kreativ. In Deutschland habe ich mich manchmal ein bisschen abgekapselt gefühlt.

Bohle:Weil mehr Musiker direkt in der Jazz-Tradition stehen?

„Ja, das kann sein. Weil sie das natürlich in ihrem Spiel mitbringen. Wenn alle, so wie ich, Jazz nur lernen, wie das in Deutschland war, dann ist das ein Konstrukt.“

Bohle: Füllt sich also mehr mit Leben, was vorher trockner und theoretischer war?

„Ja, kann man so sagen. Ich bin hier am Nabel des Jazz! Natürlich, New Orleans spielt auch eine Rolle, aber in New York ist total viel entstanden. Ich wohne in Harlem. Wenn Du hier durch die Gassen gehst und z.B. am Haus von Monk vorbei gehst, dann kommt das Bild zusammen.“

Der schwierige Weg ins 2. Jahr an der Manhattan School

Den positiven Eindruck von beruflicher und persönlicher Entwicklung bestätigt Defne mir in dem Interview, das wir am 12. Oktober 2013 führen. Inzwischen ist Defne wieder in New York, hat ihr zweites Jahr an der Manhattan School begonnen. Doch einfach war die Rückkehr nicht: Defnes DAAD-Stipendiums wurde nicht verlängert. Nun studiert sie mithilfe zweier Stipendien, einem von der Heinrich-Böll-Stiftung und einem von der Manhattan School selbst.

„Ich wollte unbedingt meinen Abschluss an der Manhattan School bekommen und habe wochenlang nach Stipendien recherchiert, das war im Sommer in Berlin. Ich habe auch überlegt, mit dem artist-Visum hier wieder hinzukommen. Über die Böll-Stiftung habe ich schließlich etwas gefunden, die haben mich auch schon im B.A. gefördert. Die Schule selber hat mir auch ein Stipendium gegeben. Das bekommen eigentlich keine Sänger, sondern meist nur Rhythmusgruppenspieler oder die ganz großen Überflieger.“

Bohle: Wann wusstest du denn, dass du zurück kannst?

„Ich habe mich Mitte/Ende Juni dafür entschieden, zurückzukommen – wir mussten ja irgendwann die Schulgebühren überweisen. Danach kamen erst die Stipendienzusagen. – Das war schon eine Prüfung. Es ist aber eigentlich gut, wenn man die Sache noch mal hinterfragen muss.“

Trotz der Mühen sagt Defne:

„Der DAAD hat mich ein Jahr gefördert, ohne dieses Stipendium wäre ich wahrscheinlich nicht nach New York gezogen.“

Vorschau aufs zweite Unijahr

Defne sieht ihrem zweiten Unijahr voller Vorfreude entgegen:

„Die Nachricht, dass Gretchen Parlato an die Schule kommt! Ich habe seit einem Jahr versucht, bei ihr Unterricht zu nehmen und jetzt ist sie mein Coach, mein Mentor.“

Neben dem Unterricht ist auch der Austausch mit Parlato für Defne wichtig:

„Ich habe jetzt zum ersten Mal einen Gesangscoach, der fast so alt ist wie ich. Das macht mir Hoffnung, weil ich die Wege sehe, die sie gegangen ist. Das ist  ein näheres Beispiel, als wenn Lehrer sagen ‚vor 20 Jahren war das so und so‘.“

Bohle: Merkst du was vom Konkurrenzkampf draußen oder ist die Uni ein Schutzraum?

„Konkurrenzkampf ist nicht das richtige Wort oder so sehe ich das einfach nicht. Nach meinen Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, ist das Verhältnis zwischen den Musikern sehr offen und ehrlich. Gerade wenn ich Sängerinnen treffe – das ist ja dann quasi die 1:1-Konkurrenz – bekomme ich keine negativen Schwingungen zu spüren.“

Defne weiß aber auch um die Schwierigkeiten, sich als Musiker zu etablieren:

„Da ist auf jeden Fall ein großer Dschungel von vielen guten Sängern. Natürlich muss ich mich anstrengen und mich präsentieren. Das ist nicht immer etwas, das Spaß macht. Weil man auch kein ’nein‘ einstecken möchte. Aber ich hab schon ein bisschen Routine, so dass mich das nicht so beängstigt.“

Für Defne überwiegt das Positive:

„Es gibt so viele Orte, wo du dich verwirklichen kannst und Möglichkeiten, was du machen kannst. Ich hab das Glück, dass ich durch die Uni, aber auch durch mein Umfeld außerhalb, viele Instrumentalisten kenne, die mich einbinden in ihre Projekte. Deswegen bin ich ganz zuversichtlich, dass ich da noch viele Gelegenheiten bekommen werde.“

Defne ist in New York nicht nur in der Jazzszene unterwegs:

„Ich versuch auch andere Kunstformen zu genießen, also nicht nur Jazz, sondern ich gehe auch mal auf ein Klassikkonzert. Und natürlich gibt es mehr als Musik. Neulich habe ich z.B. die Galerien in Chelsea ausgecheckt.“

Vom Tempo her inzwischen eine echte New Yorkerin

Bohle: Wie steht es damit, zur Ruhe kommen? Das war ja eine Befürchtung von Dir, dass das in New York nicht so möglich sein würde.

„Das hat sich gut eingependelt. Ich hab mich, glaube ich, sehr stark verändert, in Bezug darauf, dass ich so viel Ruhe brauche. Durch die Uni hab ich mir ein ganz, ganz hohes Lerntempo zugelegt und bin viel effektiver mit meiner Tagesplanung. Klar, ich brauche immer noch meine Auszeiten; ich mache viel Yoga, ich geh‘ joggen; ich gucke, dass ich meine Freunde regelmäßig sehe. Ich find es wichtig auch mal einen Tag außerhalb der Musik zu verbringen, wenn das terminlich geht,und einfach mal abzuschalten. Ich gehe gerne an den Ozean, ans Meer.“

Das Tempo von New York ist kein Problem für Defne:

„Eher im Gegenteil. Ich war ja jetzt im Sommer drei, vier Monate in Berlin. Da war es erstmal schwierig, sich an das Berliner Tempo zu gewöhnen, weil alles so entspannt ist, man sich zwei Stunden Zeit nimmt, wenn man sich auf einen Kaffee trifft.“

Defne lacht:

„In New York geht das auf keinen Fall.“

Ihr gefällt’s:

„Ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein kann.“

Aufbruch in die Musikerinnenzukunft

Aber sie macht sich auch schon Gedanken über die Zukunft nach der Uni:

„In einem Jahr zu dieser Zeit bin ich nicht mehr Studentin und das ist natürlich eine sehr aufregende Zeit. Ich muss gucken, dass ich meine Projekte auf die Beine stelle. Mit der Band, von der ich erzählt habe, würde ich gern was aufnehmen. Ich arbeite auch an weiteren Projekten, man darf gespannt sein. Jetzt heißt es nicht nur ‚mein Studium beenden‘ und ‚gute Studentin sein‘, sondern aktiv in die Musikszene eintauchen.“

www.defnesahin.com

Über Bettina Bohle 42 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
Translate »