Giovanni Perin „Open eyes“ – Traditionell und doch Innovativ

Der italienische Vibraphonist Giovanni Perin hatte sein erstes Album unter eigenen Namen veröffentlicht. Das Album Open Eyes ist eine Mischung aus Eigenkompositionen und neu arrangierten Jazzstandards.

Wieder meinen Erwartungen hat sich Giovanni Perin für eine Quartettformation mit Klavier entschieden. So verfügt das Format über zwei harmoniegebende Instrumente, welche sich bei diesen Aufnahmen jedoch keineswegs im Weg stehen.  Die Ballade Constellation vermischt den Klang des Klaviers mit dem des Vibraphones im Unisono oder durch geschickte Gegenstimmen in ein wohlklingendes Ganzes. Auch bei den anderen Titel haben sich die Musiker sinnvollerweise diszipliniert. So verzichtet Perin darauf die Klaviersoli zu begleiten, bei seinen eigenen Improvisationen verzichtet er wiederum auf akkordische Einlagen. Diese übernimmt dann Elias Stemeseder am Klavier für ihn.

Der Jazzstandard When I fall in love mit seinem ursprünglich beschwingten Dreiertakt interpretiert das Ensemble um. In Erwartung des 3/4-Taktes ist man zuerst über den Melodiebogen und über den etwas hinkenden Takt irritiert. Es stellt sich schnell heraus, dass Perin sich für einen 5/4 Takt entschieden hat. Auch ist hier die gesamte Interpretation erfrischend, ohne den Charakter der Kompositionen zu missachten. Für eine atmosphärische Einstimmung sorgt eine Schlagzeugintro, minimalistisch und orchestral angelegt. Teilweise spielt der Schlagzeuger Tilo Weber so leise, dass der Zuhörer spätestens hier seine Ohren vollständig aktivieren muss.

Einige der Eigenkomposition versprühen den Charme der Jazzstandards, klare Formen und harmonische Zusammenhänge, wenn auch mit moderner Jazzharmonik angereichert. Für eine stilistische Abwechslung sorgt Friends Club mit seinem jazzigen Sambafeel, wenn auch hier das Spiel des Schlagzeugers nicht vollends überzeugt.

Der Titel Orlando furioso hat jedoch den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Die Komposition hebt sich nicht nur durch das UpTempo ab, auch ist der musikalische Ansatz wesentlich freier und experiementeller.

Klanglich ergänzt wird das Quartett auch mit dem Trompeter Fabrizio Bosso, der bei der Ballade Roma nun fa‘ la stupida strasera zu hören ist.

Insgesamt eine schöne Platte bei der man, wer denn genau hinhören möchte, einiges an spannenden Dingen entdecken kann und man in den Genuss des schwebenden Vibraphonklanges kommt.  Zugleich ist das Album durch seinen gefälligen Gesamtklang auch für einen schönen Winterabend  mit Buch und Rotwein durchaus geeignet. Das nett aufgemachte Booklet ergänzt die Kompositionen mit kurzen Gedanken des Komponisten zu jedem Stück. Die lobenden Anmerkungen des US-amerikanischen Vibraphonisten David Friedman attestieren dem Album Authentizität, Tradition und Innovation.

Cover Open EyesGiovanni Perin – Dream With Open Eyes, special guest: Fabrizio Boss

Giovanni Perin – Vibraphon & comp.
Elias Steneseder – Piano
Igor Spallati – Kontrabass
Tilo Weber – Schlagzeug
Fabrizio Bosso – Flügelhorn & Trompete
erschienen bei Cat Sound Records, Aufgenommen am 29./30.09.2011 in den Cat Sound Studios

http://www.giovanniperin.com

 

 

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
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