Jazzfest Berlin 2013 – eine kleine Zusammenschau

Wo Jazzfest drauf steht, ist auch Jazz drin?! | Großbesetzung neu gesehen | Klassischer gestimmt | Experimentell zu später Stunde | Kulturpolitisches um das Jazzfest herum | Mein Fazit

In der Auftaktveranstaltung des Jazzfestes 2013 spricht Bernd Noglik, der künstlerische Leiter, davon, dass er das Jazzfest mit allen seinen Konzerten als eine Art Gesamtkunstwerk versteht. Am besten solle man zu allem hingehen und alles hören. Bereits einige Überschneidungen im Programmablauf machen dies kaum möglich, auch ist bei der Anzahl an Künstlern und Bands ein Besuch aller kaum möglich. Aber einen Versuch, das Jazzfest in allen seinen Facetten zu erleben,  habe ich denneoch unternommen. Hier meine Eindrücke:

Wo Jazzfest drauf steht, ist auch Jazz drin?!

Wenn man vorher schon nicht so genau wusste, was Jazz ist, so ist man nach dem Jazzfest Berlin vor allem an Beispielen reicher geworden, was offenbar dazu gezählt und daher zur 49. Ausgabe des Festivals eingeladen wurde.

Gerade der diesjährige Afrikaschwerpunkt bringt eine Definition wie die über Instrumentierung durcheinander: von fremden Trommeln über Guembri und Oud – es ist ein weites Spektrum an Instrumenten, das sich hier neben dem klassischen Jazzinstrumentarium präsentiert.

Trio Ivoire (23.10, Haus der Berliner Festspiele/Seitebühne)

Der Festivalauftakt mit dem Trio Ivoire ist der beste Beleg dafür: zu Schlagzeug und Piano gesellt sich hier das von Aly Keïta meisterhaft gespielte Balaphon, ein Urahn des Xylophons.

© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele
© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele

Keïta hat sein Instrument, das meist pentatonisch gestimmt ist, eigens so umgebaut, dass es auch diatonische Musik spielen kann. Für mich persönlich ist diese Combo die einzige, in der die Begegnung zwischen klassischem Jazz und afrikanischer Musik bzw. afrikanischen Instrumenten zumindest ein wenig funktioniert, wenn das auch nur an der wahnwitzigen Virtuosität von Keïta liegen mag, die alle Schubladen und Genres vergessen macht.

Gnawa Jazz Voodoo (31.10, Haus der Berliner Festspiele)

Eigens für das diesjährige Jazzfest wurde das Projekt „Gnawa Jazz Voodoo“ entwickelt, unterstützt auch von der Bundeszentrale für politische Bildung – man sieht hieran, welche Bedeutung solchen Treffen von Musikern verschiedener Kulturen beigemessen wird. Eine große Besetzung versucht hier den Brückenschlag zwischen Europa und Afrika: vier Perkussionisten aus zwei verschiedenen afrikanischen Kulturen, Gnawa-Kultur aus der Subsahara  trifft auf Voodoo-Kultur, dazu die Griot-Tradition, eine westafrikanische Erzählertradition. Die kulturelle Diversität erweitert ferner der kubanische Perkussionist Ramón López. Der Pianist Joachim Kühn, der Kopf der höchst diversen Formation, sagt dazu, wie dem Beiheft des Jazzfestes zu entnehmen ist: “ Jazz war schon immer Worldmusic. Rhythmus entstand aus Afrika, Harmonien enstanden in Europa. Jazz kam dann aus Amerika. … Inzwischen gehört der Jazz der ganzen Welt .“

Was uns verbindet „, schreibt Kühn weiter, “ ist der Trance-Zustand beim spielen. Das Abheben von der Erde in höhere Gefilde. Wenn das Publikum zusammen mit uns ‚abheben‘ kann, ist unsere Mission erfüllt.

Tatsächlich ist die Trancehaftigkeit der Musik das prägnanteste Element des Auftritts der “ Joachim Kühn Africa Connection feat. Pharoah Sanders „. An der Guembri und der Oud der Marokkaner Majid Bekkas, der immer wieder in scheinbar ewiger Wiederholung die gleichen paar Töne spielt und dadurch den Eindruck der Zeitlosigkeit dieser Musik verstärkt. Bekkas spielt, ebenso wie Lopéz, schon lange mit Kühn, die drei harmonieren tatsächlich gut.

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© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele

Ansonsten wirken die einzelnen Akteure etwas isoliert und ausgestellt in ihren Trachten – für mich funktioniert diese Begegnung der Kulturen nicht, jeder bleibt für sich in seinem Musizieren, auch wenn Joseph Bessan Kouassi sein möglichstes tut, die verschiedenen Gruppen zu verbinden. Immer wieder steht er auf, läuft mit seiner Trommel von einem zum anderen, trommelt sie an, fordert sie auf, aktiv dabei zu sein beim Geschehen. Sogar ins Publikum trommelt Kouassi seine Botschaft, tanzt schließlich auch und schafft dadurch einen Moment, in dem zumindest alle bemüht sind, ein Miteinander zu schaffen. Über all dem kulturellen Wirrwarr und Bemühen schwebt die Jazzlegende Pharoah Sanders mit seinem unangreifbaren Saxophonklang.

„Transmitting“ (30.10., Haus der Berliner Festspiele/Seitenbühne)

Christoph Hübner, der Regisseur des Dokumentarfilms „Transmitting“, der zum Auftakt des Jazzfests gezeigt wurde, sagt in einem Interview, das sich im Beiheft des Jazzfestes findet, dass er gerade die Schwierigkeiten, das „Brüchige“ des gemeinsamen Musizierens von afrikanischen und europäischen Musikern zeigen wollte: “ Weil es ja das Klischee von Weltmusik gibt, dass irgendwelche europäischen Musiker nach Afrika reisen und alle verstehen sich blenden und … Musik ist eine Weltsprache usw. Daran habe ich nie so richtig geglaubt. “ Hübner sagt aber auch, dass das Annähern “ bei der Musik leichter [ist] als bei jeder anderen Kunst „.
Christina Tilmann, die Chefdramaturgin der Berliner Festspiele, nennt das in ihrem Gespräch mit Hübner eine “ Grundfremdheit …, die bleib t“.

Christian Scott (31.10., Haus der Berliner Festspiele)

Christian Scott spricht selbst von Stretch-Musik, um seine Versammlung verschiedener in seiner Heimatstadt New Orleans präsenter Musikstile einen Namen zu geben. Vor allem macht Scott, der seine Trompete ohne Zweifel beherrscht, Musik mit hohem Druck. Er selbst betont in seinen Ansagen immer wieder, wie sich die Musiker in der Band gegenseitig pushen und zu neuen Höchstleistungen anstacheln. Für mich gab es bei dieser Präsentation der Power der Jugend wenig musikalische Überraschungen, aber gern zuhören tut man den fünf Musikern. Die Geschichte von einem rassistischen Polizeiübergriff, die Scott einmal als Erklärung einem Stück voranschickt, das er noch in der Wut über die Ungerechtigkeit komponiert hat, ist herzzerreißend und lässt den Saal still werden und lauschen. Musikalisch anders klingt es nicht unbedingt.

Großbesetzungen neu gesehen

Ein weiterer Schwerpunkt des diesjährigen Jazzfestes ist es, klassische Besetzungen neu und anders zu interpretieren.

Monika Roscher Bigband (3.11., Haus der Berliner Feststpiele)

So ist schwer zu sagen, ob die Bigband von Monika Roscher mehr Pop-Rock-Spektakel oder Bigband – denn auch Bläserarrangements gibt es – mit Einsprengseln von Indiepop oder Björk ist. Roscher tritt mit Augenmaske auf, singt das erste Lied mit elektrisch veränderter und verzerrter Stimme. Und stellt sich danach ans Mikro und bedankt sich in höchst bodenständiger Art dafür, dass sie mit ihrer Band beim Jazzfest dabei sein dürfen. Einfach authentisch wirkt, was die Musiker bieten. Roscher drängt mit ihren Mitstreitern die Frage nach Musikrichtung und -stil in den Hintergrund und macht einfach –Musik, ausdrucksstark im Dirigat, sehr vielfältig in den Stücken und Mitteln und lustig – die diversen Kostümwechsel Roschers, einmal stellt sie ein Irrlicht dar, sind höchst unterhaltsam. Das Publikum rast und verlangt nach mehr, der Ansager spricht vom Sprungbrett für die Karriere – ein rundum gelungener Auftritt.

‚Wunderkammer XXL‘ Michael Wollny, Tamar Halparin & hr-Bigband (2.11., Haus der Berliner Festspiele)

© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele
© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele

Auf andere Weise befragt Michael Wollny mit Tamar Halperin zusammen die Bigband-Tradition. Die hr-Bigband begleitet das Duo aus dem für seine musikalische Offenheit viel gefeierten Pianisten Wollny und der Multi-Instrumentalistin Halparin, die auf dem Konzert picture-perfect in ihrem schulterfreien Kleid zwischen Celesta, Glockenspiel und ihrem Hauptinstrument Cembalo hin- und herwechselt. Große musikalische Gesten werden beschworen, kleine Miniaturen des Fangenspielens auf Piano und Cembalo wechseln mit gigantischen Arrangements ab, Filmmusikanklänge rauschen durch den Saal. Die hr-Bigband ist ein wunderbarer Klangkörper, aber scheint etwas unterfordert damit, Wollnys Klanggespinste zu untermalen.

Klassischer gestimmt

Es gibt aber auch Formationen, die viel mehr dem klassischen Bild von Jazz entsprechen und dies sogar explizit. So nehmen die beiden Konzerte „My Chet, My Song“ und „Cool is Hipp is Cool“ explizit auf die Jazztradition Bezug.

‚Cool is Hipp is Cool‘ Ilona Haberkamp Quartet (1.11., A-trane)

Schon 2012 gab Julia Hülsmann gemeinsam mit Rolf Kühn und Joe Lovano ein Konzert mit dem Titel „Remembering Jutta Hipp“.  Ilona Haberkamp führt diese Erinnerung dieses Jahr mit ihrer Band fort, spielt zwei Originalkompositionen Hipps, ein paar Transkriptionen und Standards, die Hipp selber gerne spielte stellt die Band vor. Daneben bringt Haberkamp Gedichte Jutta Hipps über Musikerbekanntschaften Hipps, wie z.B. Sonny Rollins, zu Gehör. Die Sängerin Silvia Droste bringt die Vertonungen von Haberkamp ausdrucksstark mit dunkler Stimme zu Gehör.
Auf der Tafel des A-Trane, auf der immer die am Konzert beteiligten Musiker kundgetan werden, findet sich an diesem Abend daneben auch ein großes Porträtfoto von Jutta Hipp, ausgestattet mit echtem Samtkleid.
Physiognomisch ist eine gewisse Ähnlichkeit der Pianistin Laia Genc mit Jutta Hipp nicht zu verleugnen und auch auf dem Flügel perlen die Läufe von Genc in schöner Imitation des damaligen musikalischen Idioms. Ergänzt wird die Band ferner vom Flügelhornisten Ack van Rooyen, der Hipp noch persönlich kannte.

‚My Chet, My Song‘ Riccardo Del Fra (2.11., A-trane)

Der Bassist Riccardo Del Fra kann auf eine Jazzbekanntschaft ungleich größerer Berühmtheit zurückblicken. In den späten 70ern hat er des Öfteren mit Chet Baker auf der Bühne gestanden. Nun erinnert er mit Kompositionen von Baker zusammen mit der französischen Trompeterin und Flügelhornisten Airelle Besson, die v.a. die ruhigen Melodien wunderschön spielt, mit Arrangements und Eigenkompositionen an Chet Baker. Die beiden Musiker der jüngeren Generation – Sebastian Sternal am Piano und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug – sorgen dafür, dass der Abend nicht zu einem Schwelgen in alten Klängen verkommt. Aber auch Del Fra zeigt zu Beginn des zweiten Sets im Duo mit Burgwinkel, dass er seit den 70er-Jahren als Musiker höchst tätig gewesen ist.

Experimentell zu später Stunde

Ernst-Ludwig Petrowsky Jubilee (1.11., Akademie der Künste)

Ein ganz anderes Kapitel der Jazzgeschichte stellt Ernst-Ludwig Petrowsky, der Recke des DDR-Jazz und des Free-Jazz mit drei seiner Formationen vor.

© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele
© Ali Ghandschi / Berliner Festspiele

Bert Noglik lobt in seinen liner notes zu der am Tag des Konzerts erscheinenden CD „Ernst Ludwig Petrowsky, Uschi Brüning und Michael Griener. Ein Résume“ die Eigensinnigkeit Petrowskys. Diese ist deutlich hörbar in den beiden Formationen – dem eben genannten Trio sowie dem „Ruf der Heimat“ –, welchen die Rezensentin mit Spannung lauscht bevor sie, der späten Stunde wegen vor dem Auftritt des „Zentralquartetts“ sich nach Hause schleppen muss. Neben aller Eigensinnigkeit strahlt Petrowsky eine ungeheure Lust an der Musik und am Musizieren mit seinen Mitmusikern aus – so z.B. wenn er mit Uschi Brüning zusammen aberwitzige freie Linien unisono vorträgt. Die Spielfreude und trotz seines Alters hohe Energie – Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky wird dieses Jahr 80 –  ist ansteckend und lässt das Bedauern um die verpasste letzte Band um so größer werden. Die späte Stunde schreckt andere Leute am Freitag Abend nicht, bei Petrowsky ist der Saal voll, einige lehnen gar an den Säulen des etwas kargen und stimmungsarmen Raum der Akademie der Künste oder sitzen auf dem Boden.

‚Berlin Suite‘ Gebhard Ullmann (31.10., Akademie der Künste)

Anders bei Gebhard Ullmanns „Berlin Suite“, die am Donnerstag aufgeführt wird. Der halbleere Saal macht den Musikern zu schaffen, auch die Architektur trägt nicht gerade dazu bei, dass Stimmung aufkommt. Trotzdem schafft es das Oktett, die Zuhörer bis viertel nach eins bei der Stange zu halten. Klänge vom Markt am Maybachufer, aus dem Victoriapark, Feuerwehrsirenen und viele andere Klänge, die nicht immer einzeln identifizierbar sind mischt Antonis Anissegos, der von seinem Mischpult den anderen sieben Musikern immer wieder Impulse gibt. Die Sängerin Almut Kühne fiept, schrillt, singt türkisch anmutende abstrahierte lines und ergänzt die fabelhaften Musiker, die jeder für sich spannend sind, zu einem rundum interessanten Klangerlebnis.

Kulturpolitisches um das Jazzfest herum

Mitgliederversammlung der Union Deutscher Jazzmusiker (2.11., Deutscher Musikrat)

Neben dem Jazzfest fand am vergangenen Wochenende eine andere Jazzveranstaltung statt, die Mitgliederversammlung der Union Deutscher Jazzmusiker, die in diesem Jahr 40 Jahre alt wird. Wie in der aus diesem Anlass veranstalteten Podiumsdiskussion am nächsten Tag klar wird, haben sich die Themen seitdem nicht wesentlich geändert, auch heute noch ist die prekäre finanzielle Situation der Musiker ein großes Thema. Peter Schulz, Gründungsmitglied der UDJ weist auf die Erfolge damals hin (Jazzer in der Künstlersozialkasse!) und merkt an, dass jedoch damals die Anspruchshaltung der Musiker eine andere war. Weil es keine universitäre Ausbildung gab, war klar, dass man sein Geld anderswo verdienen musste. So war Peter Brötzmann für den Brotberuf, wie Schulz erzählt, als Grafiker tätig. Die angemessen Bezahlung von Musikern war auch Thema auf der Mitgliederversammlung der UDJ. Dort wurde auf, v.a. in der Diskussion um die dieses Jahr erstmals erfolgte Verleihung des Spielstättenprogrammpreises darauf hingewiesen, dass eine angemessene Bezahlung von Musikern eigentlich nur von Veranstaltern zu leisten ist, die zu einem großen Teil öffentlich gefördert werden. Diese Verantwortung der Politik sieht auch Siegmund Ehrmann, Mitglied der SPD. Für ihn ist die UDJ eine wichtige Stimme des Jazz, die den Anliegen der Musiker eine Wirkmacht in der Politik gibt. Gelobt wird deswegen von allen Seiten die Neuformierung der UDJ vor knapp zwei Jahren. Julia Hülsmann, die Vorsitzende der UDJ betont aber, dass diesem Anfangselan nun kontinuierliche Arbeit folgen muss, damit langfristig etwas erreicht werden kann.

Verleihung des Albert-Mangelsdorff-Preises an Nils Wogram (3.11., Haus der Berliner Festspiele/Kassenhalle)

Im Rahmen des Jazzfests wurde auch der Albert-Mangelsdorff-Preis an den Posaunisten Nils Wogram vergeben, vor zahlreich erschienenem Publikum und in Anwesenheit der Witwe von Albert Mangelsdorff, Ilo Mangelsdorff.

© Ulla C. Binder
© Ulla C. Binder

Es gibt kurze Grußworte der Stifter des Preises, Vertretern von UDJ, GEMA, Komponistenverband und GVL sowie eine Laudatio auf Wogram, gehalten von Hans-Jürgen Linke. Anschließend dankt Wogram ausführlich Unterstützern jeder Art, angefangen von seinen Eltern, über Mitmusiker bis hin zur GVL, die ihn schon einmal mit einem Kompositionsstipendium unterstützt hat. Dann liefert Nils Wogram noch eine Probe seines Könnens – anders als sonst üblich spielt er solo. Die Posaune ist eigentlich bloß ein Rohr aus Metall, daran hat seiner Laudatio Hans-Jürgen Linke erinnert. Dem Musiker selbst kommt daher bei der Erzeugung des Tons eine große Bedeutung zu. Wogram spielt virtuos und musikalisch tadellos zwei Stücke des Patrons des ihm gerade verliehenen Preises Albert Mangelsdorff, der ebenfalls Posaunist war und erweist sich als würdiger Preisträger, auch in der anschließenden Podiumsdiskussion zum 40. Geburtstag der UDJ, wo er auf die schlechten Arbeitsbedingungen von Jazz hinwies und vehement für kontinuierliche Förderung von Jazz eintrat. Anschließend gab es einen Empfang in der Bornemann Bar im Haus der Berliner Festspiele.

Mein Fazit – Jazzfest: 4 Tage, fünf Orte, fast 20 Bands, unzähliche Musiker  – und nun?

Mit diesem Festakt der UDJ beginnt der letzte Abend des Jazzfests.
An fünf Orten und fünf Tagen waren fast 20 acts zu erleben, dazu gab es eine Woche vorher ein Auftaktkonzert mit dem Trio Ivoire.

Zu fragen ist, ob die Programmpolitik in der Akademie der Künste aufgeht: Nicht nur bei Gebhard Ullmanns „Berlin Suite“, auch am Samstag, als Christopher Rumble und Food + Fennesz auftreten, ist, wie man mir erzählt, zu der späten Nachtstunde (Konzertbeginn 23:30!) der Saal in der Akademie der Künste nur halb gefüllt. Den Musikern wäre mit einer etwas früheren Stunde und in der Folge wohl mehr Publikum oder vielleicht eine kleineren Location besser gedient worden.

Das Jazzfest ist auf der einen Seite eine Versicherung in der Tradition – Jazzgrößen wie John Scofield und Jack DeJohnette laufen mit ihren Formationen auf –, auf der anderen Seite in der Auswahl von neueren Formationen und Schwerpunktsuche bemüht suchend nach dem, was Jazz heute bedeutet.

Christoph Hübner, der Regisseur von „Transmitting“ sagt: „man muss warten können, bis sich etwas ereignet.“ Hübner erhofft sich die Geduld des Zuschauers für die langen Einstellungen seines Films. Vielleicht ist es gerade diese Geduld, die man auch für das Zuhören von Musik verschiedener Richtungen, Prägungen und Stile braucht: nicht gleich urteilen, kategorisieren, abtun. Sondern: einfach mal zuhören!

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Über Bettina Bohle 49 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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