Johannes Bigge Trio

D.Lindenblatt

Der Pianist Johannes Bigge präsentierte an diesem Abend mit seinen Mitmusikern einige interessante Facetten. Gemeinsam mit der Bassistin Athina Kontou und dem Schlagzeuger Hans Otto, als Ersatzmann für Jan Roth, erzeugten die Musiker mit Bigges Kompositionen einen schwebenden und fließenden Sound. An diesem Abend fiel auf, dass die Kompositionen des Pianisten vor allem eines gemein haben: eine Art ruhiger Gestus, eine Ihnen immanente ruhende Kraft. Diese Ruhe ist immer deutlich zu spüren, auch wenn gerade der Schlagzeuger gemeinsam mit dem Pianisten sich gegenseitig die musikalischen Feuerbälle zu werfen. Überhaupt fiel auf, dass die beiden an diesem Abend besonders gut miteinander harmonierten.

Johannes Bigge

Obwohl die Musik aber diese innere Ruhe stets in sich trug, kann von Langeweile nicht die Rede sein. Oft waren kleine, fast unauffällige aber raffinierte kleine Wendungen in der Musik zu hören, entweder als kompositorischer oder improvisatorischer Bestandteil. Hin und wieder waren auch bissige, zuweilen dissonante Klänge zu hören, die konsequent in  Kontrast zum sonstigen Geschehen der Musik gesetzt wurden.

Am eindrücklichsten bleibt die letzte Komposition der ersten Konzerthälfte in Erinnerung. Das mit dem Namen Pegasus versehene Musikstück wurde mit einer schönen Intro  von der Kontrabassistin eröffnet, um anschließend vom Schlagzeug abgelöst zu werden. Das Schlagzeug deutete schrittweise den Rhythmus der Komposition an, das Thema war auch hier von dem ruhigen Gestus Bigges bestimmt. Gemeinsam spielte sich das Trio äußerst organisch in Wallungen, um immer wieder zwischendrin mit krassen aber knappen Unterbrechungen den Weg zum Höhepunkt zu stören. Erfrischend anders.

Hans Otto (dr.) & Athina Kontou (b.)
Hans Otto (dr.) & Athina Kontou (b.)

Der Abend hat gezeigt, dass Johannes Bigge mit seinem pianistischen und kompositorischen Vermögen schon einiges zu bieten hat. Man spürt ein sich abzeichnendes künstlerisches Profil, welches aber beim jungen Jazznachwuchs auch noch  von einem spürbaren Suchen und Finden geprägt ist. In manchen Momenten an diesem Abend wünschte man sich etwas mehr Mut, vielleicht mehr spielerisches Selbstbewusstsein, um an die Grenzen des eigenen Könnens zu stoßen und um neue spannende Entdeckungen zu machen. Auch mit dem Risiko das etwas schief gehen könnte. Das Trio ist aber zweifelsohne auf gutem Wege sein Potential weiter zu entfalten und ist eine klare Empfehlung für einen Konzertbesuch.

Das Konzert fand am 19.12.2013 in der Kunstfabrik Schlot statt. Leider war es mir nicht vergönnt, die zweite Konzerthälfte mitzuerleben.

Fotos: D. Lindenblatt

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
Translate »