Das XJazz-Festival mit etwas „Indie“-Touch

Im Gespräch mit dem künstlerischen Leiter Sebastian Studnitzky über das Xjazz Festival.

Seit Januar war dem knapp fünfzehnköpfigen Team des Berliner XJazz Festivals klar, dass sie drei Tage Konzertprogramm auf die Beine zu stemmen haben. Man kann etwas Stolz bei meinem Gesprächspartner Sebastian Studnitzky herauslesen, aber auch den Stresspegel, den der künstlerische Leiter am Vormittag des ersten Festivaltages ertragen musste. Das es nun aber tatsächlich geklappt hat binnen knapp vier Monaten 45 Bands, verteilt auf 6 Locations im berliner Szenebezirk Kreuzberg zu organisieren ist eine beachtliche Leistung der Organisatoren – und zeigt viel Wille.

Das XJazz Festival setzt einen klaren Fokus auf Berlin, nicht nur aufgrund seines Austragungsortes und den Spielorten wie bspw. dem FluxBau, PrivatClub oder dem Radialsystem V. Studnitzky möchte mit dem Festival vor allem das Potential der jungen Berliner Szene einem breitem Publikum präsentieren – eben auch durch die Wahl der Spielorte. Das Programm setzt sich aus zahlreichen in Berlin ansässigen Bands, aber auch international renommierten Acts zusammen. Das Brigitta Flick Quartett, deren Gründerin am Jazzinstitut Berlin studierte und ihr Quartett in Berlin formiert hat, das Duo Élegance mit den international renommierten Musikern David Friedman & Peter Weniger, welche auch aufgrund ihrer Tätigkeit am Jazzinstitut fester Bestandteil der Berliner Jazzszene – die Liste an Beispielen ist lang und bietet dem Neugierigen manche unbekannte, aber dabei nicht weniger interessante Musik. Die internationalen Acts wie u.a. Kurt Rosenwinkel, Emilíani Torrini oder Nils Petter Molvaer erweitern das Programm.

Die Namensgebung des Festivals ist nicht in definitorischer Absicht zu verstehen. Studnitzky möchte den Begriff als offenen verstanden wissen. Eine naheliegende Auffassung des Trompeter der selbst quer in vielen Genres agiert. Das Programm ist gezielt genreübergreifend konzipiert und als Bindeglied fungiert die Improvisation, eben ein wesentlicher Bestandteil des Jazz. Das Medium der musikalischen Aussage oder die Klangästhetik spielt dabei eine Nebenrolle. Ob DJ-Pult, Bassklarinette oder sonstiges Instrumentarium, alle Ensemble sind improvisierende Ensembles.  Studnitzky ist natürlich bewusst, dass in Anbetracht der Fülle von Bands das Festival nicht vollends repräsentativ sein kann. Viele der Bands stammen aus seinem persönlichen Netzwerk, sodass manchmal zu seinem persönlichen Ärger die eine oder andere ihm bisher nicht bekannte Band unberücksichtigt blieb.

Von Beginn an war auch klar, dass wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen werden, Fördermittel blieben aus und ein tragendes finanzielles Sponsoring gab es auch nicht. Vielleicht ist es auch dieser Aspekt, der dem Festival einen gewissen „Indie“-Touch verleiht. Überhaupt macht Studnitzky deutlich, dass es allen Beteiligten um eine an der Szene orientierte Alternative geht. Von den Konzeptionen der großen Jazzfestivals mit ihrer starken Ausrichtung an internationalen Jazzgrößen hält Studnitzky nicht mehr viel, in Anbetracht des ungenutzten musikalischen Potentials im eigenen Land.  Als viel sinnvoller erscheine ihm vorhandene Strukturen zu nutzen und auszubauen. Die mediale Resonanz und das Feedback innerhalb der Szene zeigt, dass das Konzept des XJazz Festivals bereits auf großes Interesse stößt und auch etwas Staub von festgefahrenen Strukturen in der Szene aufgewirbelt hat.

Vor allem aber macht Studnitzky deutlich, dass das Festival nicht nur dank des hochmotivierten Engagements seines Teams möglich wurde, sondern auch die Risikobereitschaft und Begeisterungsfähigkeit der Künstler tragen einen wichtigen Bestandteil zum Erfolg oder Misserfolg des Festivals bei. Viele Zusagen der Bands wurden zu einem Zeitpunkt getroffen, als die Finanzierung noch sehr vage war. Erfreulicherweise zeigt sich bereits am Morgen des ersten Festivaltages, dass alleine der Vorverkauf gute Erfolgsaussichten bietet.

Studnitzky ist davon überzeugt, das XJazz Festival zu einer Institution weiter zu entwickeln, welches die Vitalität und Dynamik des jungen Jazz und verwandter Musik zu skizzieren vermag. Auch möchte er die Musik einem jungen Publikum präsentieren, welches vielleicht von anderen Festivals eher unterschätzt oder ignoriert wird. Es ist also erfreulich, dass eine zweite Auflage für 2015 fest eingeplant ist. Eine Möglichkeit dann auch die eine oder andere unberücksichtigte Band auf die Bühne zu holen.

Das XJazz Festival findet vom 8. – 11. Mai statt. Zur Website

Das Gespräch führte Daniel Lindenblatt am 08.05.2014.

Foto: Ulla C. Binder

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
Translate »