Jubiläum: 10. Ausgabe der Kollektivnights

© Bettina Bohle

Die Kollektivnights sind eine Berliner Institution. Vom 25.–27. August 2014 fanden sie bereits zum 10. Mal statt. Veranstaltet werden die Kollektivnights vom Jazzkollektiv Berlin, einem Zusammenschluss von sieben Berliner Musikern aus dem Bereich Jazz/improvisierte Musik.
Veranstaltungsort des „spannendsten Jazzfestivals Berlins“ (NDR) war diesmal das Kreuzberger türkische Theater „Tiyatrom“. Der Wechsel der Location scheint fast zum Programm zu gehören, die Kollektivnights wurden zuvor schon an so verschiedenen Orten wie dem RAW-Tempel, dem Mica Moca, im Babylon Mitte, in der Theaterkapelle sowie zuletzt mehrmals im inzwischen nicht mehr existierenden Naherholung Sternchen veranstaltet.
Johannes Lauer, Posaunist und Kollektivmitglied, mag die Vielfalt im Publikum und auf der Bühne: „wir freuen uns, dass so viel Publikum kommt, jung, alt, mittel, Musiker, Nicht-Musiker. Auch finde ich schön, dass die Musiker, die bei uns spielen, aus allen Generationen kommen“
Lauer gefällt außerdem besonders die „schöne, konzentrierte Atmosphäre“ der Konzerte. Das „Tiyatrom“ war für Lauer und seinen Kollektiv-Kollegen, den Posaunisten Gerhard Gschlößl, ein guter Spielort – „gute Akkustik, gute Atmosphäre“ –, sie planen wiederzukommen.

„Das kann aber eigentlich nicht mehr lange so weitergehen“

Bereits seit 2008 findet das Festival halbjährlich statt. Das Konzept des Festivals ist einfach: die Kollektivmitglieder laden Bands ein, die sie aktuell interessieren, meist ist einer des Kollektivs mit von der Partie. Alle Musiker bekommen dieselbe Gage. Finanziert wird das Festival von Sponsoren wie dem Kulturradio, jazzthetic u.a. sowie zum Teil durch den Berliner Senat, allerdings nur bei der Sommerausgabe des Festivals. Trotzdem ist die finanzielle Situation des Festivals immer etwas angespannt. Die eingeworbenen Gelder machen nur einen Teil der entstehenden Kosten wett. Bei den Eintrittsgeldern gibt es großzügige Ermäßigungen für die üblichen Verdächtigen sowie auch für Musiker. Das Engagement des Kollektivs ist dabei komplett ehrenamtlich. Lauer sagt dazu: „es funktioniert dank unserem Verzicht auf Gagen und Bezahlung der Organisationsarbeit, uns zugeneigten Veranstaltungsorten und bescheidenen Gastmusikern.“ Lauer gibt zu bedenken: „Das kann aber eigentlich nicht mehr lange so weitergehen.“

Kollektiv Knights : Jazzkollektiv Berlin bei ihrem Auftritt bei den 10. Kollektiv NightsEine Premiere gab es bei den 10. Ausgabe der Kollektivnights: die Kollektivband, bestehend aus allen sieben Mitgliedern des Kollektivs, mit dem sinnigen Namen „Kollektiv Knights“. Die Instrumentierung war „auf alle fälle eine Herausforderung: also ohne Schlagzeug. Dafür Gitarre und Klavier, 2 Posaunen und 3 Saxophone.“ Trotz nur wenig Probenzeit waren die Kollektivmitglieder vom Ergebnis positiv angetan.

Und in Zukunft? Es soll „mehr Kollaborationen mit Kollektiven in anderen Städten/Ländern geben.“
Im Februar sind die Berliner Kollektiv`ler z.B. eingeladen zum Festival der Jazzwerkstatt Bern. Daneben wurde an Kooperationen mit anderen Kunstsparten gedacht. Es gab „auch mal den Plan, an Schulen Konzerte zu geben (‚Jazzkollektiv Berlin geht in die Schule‘)“. Das Berliner Jazzkollektiv ist, man merkt es, voller Pläne. Wir dürfen gespannt sein und gratulieren derweil zum 10. Geburtstag!

www.jazzkollektiv.de

Über Bettina Bohle 42 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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