Lichtstrahlen im Dunkeln

Foto: Claudio Puntin

Der Bassist Bernard Meyer, der vor kurzem schon mit dem Melt-Trio und deren CD „Hymnolia“ auf sich aufmerksam machte, veröffentlicht nun eine weitere Trio-CD. Dieses Mal jedoch sind Besetzung und Musik eine andere, obwohl die Handschrift Meyers erkennbar bleibt. Vibraphonist Julius Heise und Klarinettist Claudio Puntin gesellen sich für die CD „Patch of Light“ dazu und kreieren einen Klang, der sehr klangschön und zugleich sehr groovig ist. Basslinien setzen sich gegen Melodisches,  auch ohne Schlagzeug entstehen stark rhythmische Passagen und treffen auf atmosphärische Klangpanoramen.
Die Entscheidung für diese Besetzung, war eine bewusste, so Meyer:

In dieser Konstellation hört man alle Feinheiten der drei einzelnen Stimmen, es ging dabei nie um eine Entscheidung „gegen“ Schlagzeug, sondern nur um die Entscheidung einen sehr kammermusikalischen, akustisch-polyphonen, transparenten Klang zu erzeugen.

Die Stücke entstehen in einem komplexen Prozess aus Komposition und Reduktion:  „Meist entsteht sehr viel Noten-Material, um dann aus den vielen Ideen am Ende ein kleines, wertvolles Stück Musik rauszufiltern.“
Dabei bedient sich Meyer, von dem die meisten der auf der CD versammelten 10 Stücke stammen, verschiedener Verfahren: „Bei jeder Komposition versuche ich immer wieder einen neuen Kompositionsansatz zu finden. Intellektuell gesteuertes und intuitives Schreiben wechseln sich in diesem Prozess dann fließend ab.“

Anschließend entwickeln sich die Stücke in den Proben und Konzerten dann noch weiter bis sie schließlich aufgenommen werden. „Bei den Proben stellt man dann sehr schnell fest wo es Längen gibt, oder wo es mehr Freiheit und Improvisation braucht. Im Studio gab es bei dieser Aufnahme dann nur noch sehr wenige kleine Änderungen.“

Die Titel der Stücke kommen später hinzu, erzählt Meyer, sie sollen das Klangergebnis fassen. Gleiches gilt für den Albumtitel, der eine Grundstimmung der Musik des Trios Meyer-Puntin-Heise zu fassen sucht:

Eher dunkelere Harmonien, in denen aber immer sehr deutlich und klar Licht durchscheint, in Form klarer Vibraphon-Akkorde oder der strahlenden Kraft von Claudios Klarinetten Sound oder einer komponierten Melodie die sich herausschält und hell über einem dunklen Grund schwebt.

Dabei wirken die Stücke der CD zugänglich und sind gleichzeitig nur selten simpel. Meyer geht es darum, alle Komplexität in den Hintergrund treten zu lassen, um so ein sehr logisches aber gleichzeitig frei und spontan wirkendes Stück zu schaffen, welches den Zuhörer bereits beim ersten Hören sofort erreicht, beim zehnten mal Hören aber immer noch interessant ist und man immer wieder neue Feinheiten entdecken kann.

Über die Zusammenarbeit für „Patch of Light“ sind weitere Kooperationen der drei Musiker entstanden („Sepiasonic„). Auch das Trio soll sich weiterentwickeln. Nach einigen Record-Release-Konzerten (z.B. b-flat am 2.11.2014) soll die Besetzung dann um Gitarre und Schlagzeug erweitert werden, dabei aber die bei der Entstehung von „Patch of Light“ gemachten Erfahrungen in die neue Besetzung einbringen.

Meyer-Puntin-Heise „Patch of Light“

  1. Beam 4’36
  2. Cryptic 2’50
  3. Saturnine 6’44
  4. Happy Tree 4’52
  5. Esper Flower 7’13
  6. Apparent Motion 8’04
  7. Rostrot 3’05
  8. Glow 3’54
  9. Falls & Fears 10’48
  10. Clearing 3’45

Bernhard Meyer – bass | Claudio Puntin – clarinet, bass-clarinet | Julius Heise – vibraphone, marimba, percussion

CD zu beziehen über www.jazzhausmusik.de
Mehr Informationen hier: http://www.meyer-music.de/

Über Bettina Bohle 49 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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