Buch: Saxophon(e)

Anlässlich des 200 jährigen Jubiläums haben die Herausgeber Frank Lunte und Claudia Müller-Elschner mit dem Nicolai Verlag eine Würdigung an den Erfinder des Saxophons Adolphe Sax in Form eines Buches veröffentlicht.

Das knapp 160 Seiten dicke Hardcover-Buch bietet einen Überblick über die diversen Aspekte des Saxophons. Der Leser erfährt etwas über die Vorläufer des Saxophons, Experimentierversuche und der Etablierung des Saxophons in verschiedenen musikalischen Kontexten. Nicht zuletzt erfährt man allerhand biografisches zu Adolphe Sax selber. Wie im Nachwort zu lesen ist, faszinierte den Saxophonisten Frank Lunte bereits schon seit seiner frühen Jugend der Gedanke, dass die „verschlungene Mechanik“ des Saxofons aus dem „Gehirn eines einzelnen Mannes entsprungen“ sein konnte. Dank fachkundiger Unterstützungen zahlreicher Mitautoren wie z.B. Roger Willemsen, Hans-Jürgen Schaal, diverser Gesellschaften und nicht zuletzt auch der des Verlages, ist nun ein sehr gelungenes Buch entstanden.

A. Deknock
Ventilposaune, Adolphe Sax. (c) A. Deknock

Ein ganzes Kapitel mit verschiedenen Beiträgen bietet viel Lesenswertes zur Biografie Adolphe Sax. Es werden aber nicht nur reine Lebensereignisse abgehandelt, sondern auch die einzelnen Entwicklungsschritte, Misserfolge und teilweise skurrilen Nebenprodukte seines Schaffens als Instrumentenbauer werden mit eingebunden. Mithilfe von zahlreichen Fotos werden die Beiträge auch sehr anschaulich unterstützt. (siehe Foto rechts).

Im Beitrag von Jens Luckwaldt ist u.a. zu lesen, dass Adolphe Sax bereits im Alter von 11 Jahren im familieneigenen Betrieb Klarinettenbauteile fertigte und montierte. Sein Vater Charles-Joseph Sax führte ein erfolgreiches Unternehmen, welches nebst Blasinstrumenten auch Saiten- und Tasteninstrumente produzierte. Sein 1833 entworfenes All-Ton-Horn galt als das Beste seiner Zeit.

Neben diesen zahlreichen Details zum Leben und Wirken Adolphe Sax, weiß beispielsweise Géry Dumoulin über parallele Entwicklungen in Belgien zu berichten. Insgesamt reicht die historische Spanne der Beitragsthemen vom frühen 19.Jh. bis in die heutige Zeit. Neben Ausführungen von Hans-Jürgen Schaal über frühe Kompositionen für Saxophon aus Paris und die bedeutende Rolle des Instruments im Jazz, weiß der Autor Christopher Li über die „Sexy Saxophonklänge in Songs der 1980er-Jahre“ zu erzählen. Die ambivalente Stellung des Saxophons im nationalsozialistischen Deutschland legt Albrecht Dümling dar. Durch die Illustration einiger Plakate gewinnt man einen Eindruck über den Gebrauch des Saxophons zu Propagandazwecken.

Eine ganz besondere Stärke des Buches ist die beigefügte Audio-CD. Gemeinsam mit den einführenden Worten Roger Willemsens bekommt der Leser eine kleine Übersicht zu verschiedensten Kompositionen für Saxophon aus unterschiedlichen Epochen und Stilen. So lernt der eher dem Jazz geneigte Leser, wie spannend und interessant Kompositionen auch außerhalb des Jazz für Saxophon sein können. Auf der CD kann man bspw. eine kammermusikalische Komposition von Jean-Baptist Singelée (op. 74) aus dem Jahre 1860  hören. Auch wird deutlich, dass sich das Saxophon offenbar auch für ungewöhnliche Besetzungen eignet, wie bei Paul Crestons Komposition Rhapsodie für Altsaxophon und Orgel (op. 108A) aus dem Jahre 1976 zu hören ist.

Insgesamt ist Saxophon(e) ein inhaltlich umfangreiches und gut illustriertes Buch, welches dank seiner Gliederung auch einfach nur zum Schmökern beim abendlichen Leselicht einlädt. Man merkt dass viele Menschen viel Zeit in dieses Buch gesteckt haben und es im Ergebnis dem fachlichen versierten als auch dem unerfahrenen Leser genügend Material bietet. Die Tatsache, dass das Buch in deutscher und französischer Sprache zweispaltig abgedruckt worden ist, zeigt nur noch deutlicher, dass man sich bis ins kleineste Detail Gedanken über die konzeptionelle Gestaltung des Buches gemacht hat – Adolphe Sax aufgrund seines Geburtsortes Dinant und wichtigem Wirkungsort Paris der französischen Sprache mächtig.

Lesen Sie auch Jazz in Berlin

 

Frank Lunte, Claudia Müller-Elschner (Hg.) Saxophon(e) Ein Instrument und sein Erfinder. Un instrument et son inventeur.
152 Seiten, 20 x 27 cm 60 Abbildungen gebunden mit Audio-CD deutsch/ französisch ISBN 978-3-89479-845-1 34,95 EUR. Erschienen beim Nicolai. Der Hauptstadtverlag

 Termine

2014

22. November um 14 Uhr – Musikalische Buchpräsentation mit der Radiomoderatorin Shelly Kupferberg | Akazienbuchhandlung, Akazienstr. 26, Berlin

13. Dezember um 15 Uhr –  Musikalische Buchpräsentation | Cantus & Riedel, Uhlandstr. 42, Berlin

2015

26. April um 12 Uhr – Sonntagsmatinée: Musikalische Buchpräsentation | Buchhandlung Winter, Gieserechtstr.
18, Berlin

Über Daniel Lindenblatt 31 Artikel
- Studium der Musikwissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin - Magsiterabschluß mit dem Thema "Zeitgenössisches Jazzorchester in Europa" (Gutachter: Prof. Christian Kaden, Dr. Bernd Hoffmann) - 2005-2016: Projektleiter des Berliner JugendJazzOrchester im Auftrag des Landesmusikrates Berlin (ehemaliges Mitglied des Ensembles bis 2005) - weiterhin tätig als freiberuflicher Musiker und Kulturmanager
Translate »