Einblicke in das 25. Internationale Jazzfestival Münster 2015

Vom 9.1.-11.1.2015 fand in Münster die 25. Ausgabe des Internationalen Jazzfestivals statt. Dabei können die Veranstalter bereits auf 36 erfolgreiche Jahre zurückblicken und fanden in der Ausstellung „Klangbilder. Visuelle Spielarten des Jazz“ (noch bis 8. Februar in der Stadthausgalerie Münster zu sehen) passende Ergänzung für ein vielfältiges Programm, in dessen Kontraste zwei Auftritte besonderen Einblick boten.

Michael Schiefel, (c) Frank Schemmann
Michael Schiefel, (c) Frank Schemmann

Im Rahmen des Festivals stand die Verleihung des Westfalen-Jazzpreis 2015 auf dem Programm. Preisträger und Ausnahmevokalist Michael Schiefel gab entsprechend in seiner alten Heimatstadt eine Kostprobe. Zu Gast hatte er den befreundeten David Friedman mit seinem Vibraphon, derzeit einer der weltweit wichtigsten Vertreter dieses Instruments. Die Westfalen sind bekanntlich ein zurückgezogenes Völkchen, entsprechend steif wirkten die Zuschauerreihen im glücklicherweise nahezu ausverkaufeten Großen Haus des Theater Münster. Eine schöne, aber für Jazzkonzerte etwas zu ausladende Location. Es fehlt der Charme des Dezenten und Heimlichen, das die Musik füllen könnte. Skuril wirkte zunächst, wie Schiefel und Friedman auf der großen Bühne standen, dominiert vom Vibraphon, neben dem ein einsames Mikro samt Liveelektronik für den Gesang postiert war. Nicht weniger seltsam begann das Konzert mit dadaistischer Vokalkunst, hinter der sich aber schnell eine perfekte Gesangstechnik offenbarte. Zwei alte Freunde unterhielten sich frei improvisiert in ihren Klängen, über das ersehnte Frühlingswetter, hier in der Hauptstadt des Regens. Die Stimme setzte Melodielinien, die vom Vibraphon perfekt harmonisch ergänzt wurden und umgekehrt. In der teilweise elektronisch veränderten Stimme zeigte sich eine kindliche Entdeckungslust, egal ob tief-oktaviert oder surreal per Filter manipuliert. Der Spontanität geschuldet, erzählten die Texte dann eben auch von einem Mann, der 20.000 Jahre fernab von jeder Großstadt in einer Hütte im Wald verbringt. Einziges Manko: Direkt vor dem hölzernen Domizil verläuft eine große Autobahn. Es wurde eine unterhaltsame musikalische Ulk-Show auf hohem Niveau. Das technische Können der beiden wurde etwas gebrochen durch die fehlende Ernsthaftigkeit. Es war kurzweilig und bisweilen angenehm unaufgeregt – so mögen es die Westfalen bekanntlich.

(C) Jan Soederstroem
(C) Jan Soederstroem

Nachdem das Publikum in der Umbaupause ein Gläschen Wein oder Sekt genießen konnte, wurde beim Auftritt der Lars Danielsson Group die Stimmung zwischen den Reihen glücklicherweise lockerer. Der Kontrabassist und Cellist Danielsson präsentierte mit „Liberetto II“ eine Auswahl seiner letzten Studioalben. Die Bühne war dabei deutlich ausgefüllter, wobei der Fokus stets auf dem Bassisten lag. Dieser eröffnete entsprechend mit einem atmosphärischen Solo-Stück, dezent ergänzt von elektronischer Kulisse durch Drummer Magnus Öström, der im Laufe des Abends auch für eindringlichere Rhythmen sorgte. Dies melancholische und filigrane Musik wies immer wieder auf die Wurzeln im skandinavischen Jazz. Vereinzelt wippten Köpfe im Takt und in dieser späten Stunde gab es Szenenapplaus, u. a. wahrlich verdient für die Künste Jonas Östholms am Piano und John Parricellis an der E-Gitarre, die er weitgehend hintergründig hielt, zum Ende hin aber expressiv angezerrt weiter in den Vordergrund spielte. Als besonderer Gast ergänzte Mathias Eick das Set mit lyrisch-sphärischen Klangfarben seiner Trompete. Besonders die Momente in Zwiesprache mit den Kontrabass sorgten für eine gelungene Performance.

Über Attila Kornel 16 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Antiken Kulturen Ägyptens u. Vorderasiens an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Bachelor-Abschluss in Musikwissenschaft/Philosophie zum Thema: "Prinzipien der kompositorischen Klangsynthese bei Simon Stockhausen" (2012).; Master-Abschluss in Musikwissenschaft zum Thema: "Ästhetik der Stille. Untersuchung zu europäischen und ostasiatischen Kompositionsverfahren am Beispiel von 'Namucuo' op.53 von Xiaogang Ye und 'Weisse Rose' von Udo Zimmermann" (2015) Seit 2015 Promotions-Studium zur Stille bei modernen Komponisten Chinas an der WWU Münster. In diversen Ensembles als Musiker tätig sowie Übungsleiter für chinesische Kampfkunst und Meditation. 3x (Jazz-)Musik für die Insel: World Of Jazz – The Legends, eine Guqin-CD zur Entspannung und eine externe Festplatte voller Musik zum Entdecken. Mein Motto: Warum über etwas bekümmert sein, dem man abhelfen kann? Und gibt es keine Abhilfe, was nutzt es da, sich zu bekümmern?
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