2. KOSMOSTAGE des AME Orchestra – Ein Interview mit Daniel Glatzel

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JAZZAffine: Am 17. und 18. Juli veranstaltet das Andromeda Mega Express Orchestra bereits die 2. Ausgabe der Kosmostage statt – was bleibt, was ist neu?

Daniel Glatzel: Wir haben im Orchester einen Mikrokosmos, aus ganz verschiedenen Musikern, aus vielen verschiedenen Richtungen. Die Idee bei den ersten Kosmostagen war, dass wir für die Zuhörer eine musikalische Reise durch diese Klangwelten anbieten. Das ist immer noch die Grundidee, bloß dass wir jetzt noch Musiker von außerhalb eingeladen haben, aus Brasilien und aus Burkina Faso, daneben auch viele aus der Berliner Szene, weil das ja auch ein Kosmos für sich ist, es so viele tolle Sachen gibt und man das auch ein bisschen präsentieren möchte.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Hermeto Pascoal?

Wir hatten im Orchester überlegt, mal wieder mit jemanden zusammenzuarbeiten. Es gab einmal eine Zusammenarbeit mit „The Notwist“, aber das war ein, zwei Jahre nachdem wir uns gegründet hatten, also noch ganz am Anfang.
Außerdem war Hermeto ein Wunsch, weil ich total inspiriert bin von seiner Musik. Er hat so etwas Vielfältiges in seinem Schaffen, das zum Orchester passt.

War das schwierig, in Kontakt zu kommen mit Hermeto?

Das war nicht so einfach, weil er selber keine E-Mails liest, keinen Computer hat und kein Englisch kann. … Ich habe da schon ziemlich lange gebaggert, bis ich den mal am Telefon hatte. Und dann kommt auch der ganze Buisinesskram ins Spiel.
Hermeto selber ist ganz entspannt, sehr freundlich und herzlich und er findet das Projekt total gut.

Ihr habt für die Kosmostage diesmal eine Förderung vom Hauptstadt Kulturfonds bekommen. Wie wichtig ist Dir bei der Verwendung der Mittel die angemessen Bezahlung der Musiker?

Eine HKF-Förderung ist eine der wenigen Möglichkeit mit einem so großen Ensemble, wie wir es sind, professionell arbeiten zu können. Wir haben jetzt aber wieder total viel geprobt, damit das möglichst gut wird. Wenn man dann alle Musiker anständig bezahlt, dann ist das Geld auch sehr schnell weg.

Ein DJ, das ist letztendlich ein Kurator. Je größer das Angebot, desto wertvoller werden solche Kuratoren.

Erklär mir doch bitte noch die Faszination mit den DJs, die sich auch auf dem Programm finden – das sehe ich jetzt viel.

Ursprünglich wollten wir ein Projekt nur mit Hermeto machen, die Idee die Kosmostage zu wiederholen kam von außen. Mir kam dann die Idee, man könnte ja das noch ein bisschen extremer gestalten und ganz verschiedene Gruppen einladen und die nacheinander spielen lassen, so dass das so wie ein DJ-Set ist, dass die Musik nahtlos aneinander gereiht kommt.
Ein DJ, das ist letztendlich ein Kurator, der Musik aussucht. Je größer das Angebot und vielleicht auch Überangebot, desto wertvoller werden solche Kuratoren.
Heutzutage haben wir Zugriff auf Unmengen von Musik. Und ich glaube auch, dass jeder auf seinem mp3-player auch total verschiedene Musik hat. Eine meiner Lieblingshörweisen ist,  einfach random zu drücken und querbeet durch alles durchzuhören.
Interessant ist auch an dieser Hörweise: wie lässt sich das in echt, auf einer Bühne realisieren. Da habe ich auch ziemlich lange nach Stücken gesucht, wo es trotz extrem verschiedener Herkünfte Verbindungen gibt.Das wird spannend sein, wie diese Gruppen, die normalerweise nie in diesem Kontext miteinander auftreten, dann reagieren. Auch das Publikum, das spielt ja auch immer eine große Rolle, wie das zuhört. Ich bin total gespannt, das ist ein Experiment.

Das Interview führte Bettina Bohle.

Mehr Informationen zu den KOSMOSTAGEN finden sich hier.

Schon vor den 1. Kosmostagen sprach JAZZAffine mit Daniel Glatzel.

Über Bettina Bohle 39 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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