Jazz an der Lohmühle – Ein Gespräch mit „Assi“ Glöde

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Gerade findet, zum 13. Mal, die Konzertreihe „Jazz an der Lohmühle“ statt, veranstaltet vom Jazzkeller 69 e.V.

Wolf-P. Glöde, von allen nur „Assi“ genannt, ist, mitsamt dem Verein Jazzkeller 69, einer der umtriebigsten Jazz-Veranstalter Berlins. Die jahrzehntelange intensive Arbeit in und mit der Berliner Jazzszene spiegelt sich in den exzellenten Programmen wieder, die einen Einblick in das Geschehen der improvisierten Musik geben, wie man ihn sonst kaum so umfassend erhält.
Politisch engagiert und meinungsfreudig, spricht Assi Glöde über die Wandlung der Wagenburg Lohmühle, deren Pachtvertrag wegen geplanter Neubauten gefährdet ist, über die verschiedenen Stationen des Jazzclubs, das Anliegen des Vereins und die anstehenden Konzerte.

JAZZAffine: Was ist das Tolle am Ort „Lohmühle“?

Assi Glöde: Die Oase, das Alternative ist sicherlich das Interessanteste an dem Ort. Und die Nähe zur Geschichte: 500 m weiter war in den 1990er-, 2000er-Jahren der ehemalige Jazzkeller Treptow, in der Puschkinallee. Den meisten Besuchern ist sicherlich die politische Bedeutung der Wandlung dieses Stücks Mauerstreifen nicht bewusst. Es wäre schon ein Treppenwitz der Geschichte, wenn der Pachtvertrag der Lohmüller nicht verlängert wird, aber dafür schicke Neubauten dorthin gesetzt werden. Andererseits haben sich auch die Lohmüller verändert – ‚panta rhei‘.

Was ist bei der Zusammenstellung des Programms für die Lohmühle wichtig?

Wir möchten aktuelle Trends der kreativen Berliner Jazzszene präsentieren, als Orientierung für den Besuch der zahlreichen Jazzkonzerte in der Stadt in der dunkleren Jahreszeit. Ich habe da immer noch einen didaktischen Anspruch.

Auch im Klub geht es darum Musikerpersönlichkeiten in verschiedenem Kontext vorzustellen, die Musiker spielen also in verschiedenen Besetzungen und Stilistiken – z. B. hat Lilli an der Lohmühle mit Kuu! und Umfundisie gespielt, rockig und folkloristisch; „Ersatzmann“ Matthias Müller spielt am 18. Juli mit DEUS NO DK frei, ohne Spielabsprachen und bei Maria Faust Kompositionen vom Blatt, die er noch nie vorher gespielt hat.

Wer ist eigentlich der Jazzkeller 69 e.V.?

Wir sind ein Verein von Jazzfans. Glücklicherweise haben wir vom Senat Förderung, so dass wir unserem Hobby frönen können. Konzeptionell haben und müssen wir uns ständig entwickeln. Das wird immer schwieriger, da die Szene sich immer mehr differenziert und die Altvorderen eine Vielzahl von Musikern ausbilden. Die steigende Zahl der Musiker steht im diametralen Verhältnis zu unseren ehrenamtlichen Kräften und den zur Verfügung stehenden Fördermitteln. Also sind wir eigentlich moderne Traditionalisten, da wir neue Stilistiken und Trends kaum präsentieren können, ohne unsere langjährigen Beziehungen zu Musikern abzubrechen.

Eine persönliche Empfehlung für die kommenden Konzerte?

Das ist dem Organisator nicht möglich, da er 100% hinter dem Programm steht. Jeder muss selbst entscheiden, was ihm gefällt oder missfällt.

Das aktuelle Programm des Festivals „Jazz an der Lohmühle“ und weitere Konzerte, veranstaltet vom Jazzkeller 69 e.V. finden sich hier.

Das Interview führte Bettina Bohle

Über Bettina Bohle 151 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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