Blume im komponierten Jazzgarten

Foto: Lena Ganssmann

Mit der kürzlich erschienenen selbstbetitelten CD Blume entzieht sich das Quartett einfachen Schubladen. Das facettenreiche Artwork deutet schon die halsbrecherisch verdrehten Klänge im jazzigen Fahrwasser an.

Erfahrene Musiker im Gespräch

Die studierten und teils bereits preisgekrönten Musiker verstehen ihr Handwerk und schaffen es auch, in den Eigenkompositionen aufeinander zu hören. Trompeter Magnus Schriefl zeigt dabei seine Erfahrung im souveränen Zusammenspiel mit dem Saxophon von Wanja Slavin.

In Kuzabarek liefert Bassist Bernhard Meyer einen riffbasierten Groove, treibend untermalt von Schlagzeuger Peter Gall. Dieser überzeugt insgesamt auf dem Album eher durch präzises Rhythmusgefühl als durch solistische Präsenz, hier aber schnell und dynamisch. Die Bläsermelodien fordern die Grenzen des harmonisch Gewohnten heraus. Dadurch bekommt die Musik kraftvolle Spannung, die nicht immer leicht verdaulich ist. Das sehr schnelle Spiel der Bläser (z.B. in The Clash) bewegt sich dabei in neugierigen Skalen.

Malea zeigt die ruhigen Blätter der Blume. Ein feiner akkordischer Bass tanzt über eine gleichmäßige Fläche, er dürfte gerne insgesamt in der Abmischung präsenter sein – spielerisch muss sich Meyer jedenfalls nicht verstecken. Die Bläser stellen hier zur Abwechslung langsame Soli dazu, ebenfalls gekonnt, wenn auch etwas langatmig. Spannender wirkt hingegen Creature, in der skurile Großstadtgeräusche vom Saxophon imitiert werden. Neben beherzt schnellen Läufen entlockt Slavin seinem Instrument beeindruckend ungewohnte Klänge.

Bläserduo mit Akkordbass und dezentem Schlagzeuggroove

 Im kürzesten Track Suite Part 1 zeigt sich ein Spiel mit dissonanter Spannung in einer rhythmisch übersichtlichen Struktur. Auf Teil zwei der Suite müssen sich die Hörer wohl beim Livekonzert oder auf dem nächsten Album gedulden. Dort könnte mehr experimentiert werden, was auf dieser Veröffentlichung nur zaghaft geschieht (z.B. Melting Mind). Das Quartett bietet ausgezeichnete Musiker, doch wird manchmal zu lange auf markanten Ideen herumgetanzt. Sobald einmal die Struktur des korrespondierenden Bläserduos mit Akkordbass über friedlich ausgeflipptem Schlagzeuggroove erkannt ist, bietet das Album leider keine allzu unvorhergesehenen Überraschungen.

Blume spielen für Freunde von Trompete und Saxophon, von hinten wie von vorn.

Blume „Blume“

Erscheinungsdatum: 14.8.2015

Label: UNIT records

Besetzung: Magnus Schriefl – Trompete, Wanja Slavin – Saxophon, Bernhard Meyer – E-Bass, Peter Gall – Schlagzeug

Mehr Informationen zur Band unter www.blume-music.de

Titelfoto: Lena Ganssmann

Über Attila Kornel 16 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Antiken Kulturen Ägyptens u. Vorderasiens an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Bachelor-Abschluss in Musikwissenschaft/Philosophie zum Thema: "Prinzipien der kompositorischen Klangsynthese bei Simon Stockhausen" (2012).; Master-Abschluss in Musikwissenschaft zum Thema: "Ästhetik der Stille. Untersuchung zu europäischen und ostasiatischen Kompositionsverfahren am Beispiel von 'Namucuo' op.53 von Xiaogang Ye und 'Weisse Rose' von Udo Zimmermann" (2015) Seit 2015 Promotions-Studium zur Stille bei modernen Komponisten Chinas an der WWU Münster. In diversen Ensembles als Musiker tätig sowie Übungsleiter für chinesische Kampfkunst und Meditation. 3x (Jazz-)Musik für die Insel: World Of Jazz – The Legends, eine Guqin-CD zur Entspannung und eine externe Festplatte voller Musik zum Entdecken. Mein Motto: Warum über etwas bekümmert sein, dem man abhelfen kann? Und gibt es keine Abhilfe, was nutzt es da, sich zu bekümmern?
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