Das Julia Kadel Trio – Ein Interview

Julia Kadel Trio @ A-trane

Das Julia Kadel Trio spielte am Eröffnungsabend des Jazzfest Berlin 2015 im A-trane. Danach traf JAZZAffine zwei der drei Musiker für ein Interview.

JAZZAffine: Wie war das Konzert für euch?

Kai-Erik „Kalle“ Enkelmann (Bassist): Ich hatte Spaß! Es macht eine gute Atmosphäre, wenn man merkt, dass die Leute sich interessieren.

Julia Kadel (Pianistin): Ich fand es total spannend, wie das funktioniert mit der Energie, wenn so viele Leute in einem kleinen Raum sind.
Die unterschiedlichen Stücke – wir hatten heute eine sehr große Bandbreite stilistisch – haben sehr unterschiedlich gewirkt. Es ist für uns gut, zu erfahren, wie die Sachen auf Leute wirken, die uns noch nicht kennen.

Ist es anders beim Jazzfest zu spielen? Ihr habt ja letztes Jahr schon mal im A-trane gespielt.

Kalle: Bei unserem Konzert letztes Jahr im A-trane war es auch voll, aber: das war anders.

Julia: Das Publikum ist ein bisschen anders bei einem Festival, da kommen Leute, die sonst nicht kommen – das ist total spannend.

Ihr werdet ja gerade als große Nachwuchshoffnung der jungen deutschen Jazzszene gehandelt! Wie ist das für euch?

Kalle: Es ist schön, wenn man Jazz macht und Aufmerksamkeit dafür bekommt. Aber natürlich ist das auch anstrengend, wenn man immer was sagen muss. Manchmal will man ja auch einfach nur spielen. Aber natürlich kann man das auch verstehen, dass das Publikum mehr haben will. Das meiste davon bekommt aber Julia ab. Sie geht super damit um.

Julia: Danke. Mir macht das Spaß, auch wenn ich zugeben muss, dass ich dann manchmal wieder zu dem Punkt zurückkommen muss, dass es nur um die Musik geht. Diese rein intellektuelle Ebene, die über der Musik schwebt – die hat aber auch ihre Berechtigung. Das ist ein bisschen wie eine eigene Sprache, wenn man über Musik spricht und da bin ich auch sehr offen dafür, anzuhören oder durchzulesen, was man über uns sagt …

© Lena Ganssmann
© Lena Ganssmann

Du liest Dir das durch?

Julia: Ich lese mir das durch und ich find das auch wichtig, dass es nicht nur das reine Spielen gibt. Es gibt ja viel mehr. Musik ist ja das Leben.

Was sind eure Pläne? Ich habe gehört, ihr arbeitet an einem neuen Album?

Kalle: Genau. Wir nehmen im Januar das neue Album auf, das soll bis März fertig sein.

Julia: Im April ist dann Release-Tour. Wir haben wieder Eric Schaefer als Produzenten gewonnen, wir sind nach wie vor bei Universal und freuen uns schon sehr. Es macht auch viel Spaß, die neuen Sachen jetzt schon auszuprobieren.

Werden wieder vor allem Stücke von Dir, Julia, auf der CD sein? Das war ja bislang so.

Julia: Das ist auch nach wie vor so. Aber es sieht so aus, als ob auch was von Kalle und von Steffen [Roth, Anm. d. Red.] dabei sein wird.

Kalle: Außerdem spielen wir ja viel frei improvisiert, auch für die Platte.

Gerade dafür ist es sicher auch wichtig, viele Konzerte zu spielen, oder? Jazz ist doch schon eine Musik, die sehr stark von der live-Aufführung lebt.

Julia: Absolut. Eine Platte ist einfach eine ganz andere Sache als ein live-Konzert, das ist ein anderes Konzept von Musik.

Das Interview führte Bettina Bohle.
Mehr von der JAZZAffine-Berichterstattung vom Jazzfest 2015 findet man hier und bei Twitter.

Bilder von Lena Ganssmann.

Über Bettina Bohle 42 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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