Das Manuel Schmiedel Trio auf Tour

Der Pianist Manuel Schmiedel ging nach seinem Studium in Berlin für ein Aufbaustudium nach New York und blieb dort. Immer wieder aber kommt er nach Deutschland, um Konzerte zu spielen. Gerade war er mit seinem eigenen Trio unterwegs.

JAZZAffine: Du trittst zum ersten Mal mit einer Band unter Deinem Namen auf – wie kam es dazu?

Manuel Schmiedel: Eigentlich ist es nicht das erste Mal, dass ich als Band-Leader auftrete. Ich habe in der Vergangenheit einige Gigs in- und außerhalb Berlins unter meinem Namen gespielt, auch mit dieser Band. Vor etwas über einem Jahr waren wir drei auch schon einmal in Berlin und haben zusammen mit Ben Van Gelder ein Konzert in der Waldo Bar gegeben. Es ist nun allerdings das erste Mal, dass ich mit meinem eigenen Trio auf (Mini-)Tour bin.

Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, das Trio auch nach Deutschland zu bringen, aber es hatte sich bislang noch nicht die Möglichkeit geboten, es zu realisieren. Mein Freund und Kollege Rainer Böhm hatte mich dann vor einigen Monat eingeladen, nach Darmstadt zu kommen, um ein Konzert zu geben. Er organisiert dort zusammen mit Martin Schneider die großartige Konzert-Reihe “The Art Of The Trio”, die ausschließlich Klavier-Trios im Programm hat. Die Frage, mit welcher Besetzung ich nach Deutschland komme, war damit also schon beantwortet. Nun spielen wir zusätzlich noch in Dresden und im A-Trane in Berlin.

Was ist die Idee hinter dem Projekt und wie hast Du die Musiker dafür ausgewählt?

Ich habe mit meinem Bassisten Rick und meinem Schlagzeuger Mark in New York schon sehr viel gespielt. Wir hatten unzählige Sessions in meinem Zimmer in Brooklyn und wurden schon mehrmals zusammen als Rhythmus-Gruppe für verschiedene Projekte angeheuert. Ich genoss von Anfang an eine sehr natürliche musikalische Verbindung zu den beiden. Zwar sind Rick und Mark sehr individuelle Instrumentalisten, aber wir teilen in vielen Belangen den selben musikalischen Geschmack und haben ein ähnliches Bild davon, wie wir gerne spielen möchten. Was das Material angeht, konzentrieren wir uns momentan weitestgehend auf einfache Tunes aus meiner Feder und Standards. Es steht also kein vordefiniertes Konzept hinter der Band, nach dem ich meine Mit-Musiker ausgewählt habe. Vielmehr verlasse ich mich darauf, dass jeder Einzelne von uns ein starkes individuelles Konzept mitbringt und offen für andere Wege ist.

Du lebst inzwischen in New York, kommst aber immer wieder zurück nach Deutschland. Jetzt trittst Du mit Deinem New Yorker Trio in Berlin auf – warum ist Dir Deine Deutschland-connection so wichtig?

Ich komme immer wieder gerne zurück nach Berlin. Ich lebe seit etwa drei Jahren in New York und habe davor fünf Jahre in Berlin gelebt. Dort habe ich viele wichtige Erfahrungen als Musiker gesammelt und habe viele Freunde. Ich fühle mich meiner Ex-Heimat also sehr verbunden. Glücklicherweise werde ich trotz der Entfernung immer noch für Konzerte in Deutschland und den Nachbarländern gefragt und habe dort aktive Bands. Daher komme ich mehrmals jährlich zurück.

Was sind Deine musikalischen Pläne für die Zukunft?

Die nächsten Monate werden etwas ruhiger sein. Ich bin nun erstmal bis September in New York und werde mich dem Schreiben für ein neues Projekt mit dem amerikanischen Saxofonisten Matt Marantz widmen. Wir haben in letzter Zeit viel mit Synthesizern experimentiert und wollen ins Studio gehen und aufnehmen. Darauf freue ich mich schon sehr!

Das Interview führte Bettina Bohle.

Das Foto stammt von  Lena Hovanesian

Über Bettina Bohle 39 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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