Niels Klein zum ECHO Jazz

Der Saxophonist und Klarinettist Niels Klein, der schon den WDR-Jazzpreis und Förderpreise von NRW und Köln erhielt, wurde 2015 mit dem ECHO Jazz in der Kategorie „Instrumentalist des Jahres national Saxophon/Woodwinds“. Mit JAZZAffine.com sprach er über die Preisverleihung und seine Einschätzung des Preises.

Zur Bedeutung des Preises …

„Der ECHO ist wahrscheinlich derjenige Preis in diesem Bereich, der am stärksten auch von Leuten wahrgenommen wird die mit Jazz überhaupt nichts zu tun haben. Ich wurde sehr oft von Bekannten etc. dadrauf angesprochen, die ansonsten gar keinen Kontakt zum Jazz haben (z.B. Nachbarn etc.).
Daher glaube ich, dass es dem Jazz-ECHO schon gelingt im Fahrwasser der anderen ECHOs Aufmerksamkeit auf den Jazz als Musikrichtung zu lenken. Für mich persönlich ist durch diese Aufmerksamkeit auch eine andere Wertschätzung z.B. von Veranstaltern und Journalisten spürbar gewesen. Insgesamt schafft es in der Zeit direkt nach/um die Preisverleihung eine größere Wahrnehmung des eigenen Tuns, dass sich – denke ich – auch ein wenig in CD-Verkäufen niedergeschlagen hat (auch wenn des da natürlich nicht um riesige Zahlen geht…)

Ich sehe den ECHO wirklich als eine reine ‚Publicity-Veranstaltung‘ die ein wenig Aufmerksamkeit für das eigene künstlerische Tun generiert und möglicherweise Jazz im öffentlichen Leben etwas „sichtbarer“ macht. Bei anderen Preisen (WDR, Mannheim, etc.) hat man ja ein ordentliches Preisgeld, mit dem man dann was vernünftiges anfangen kann…(z.B. neue Platte finanzieren..)“

Zur Preisverleihung …

„Die Verleihung ist natürlich ein riesiger ‚Zirkus‘, aber es ist eben schon eine der wenigen Jazzveranstaltungen die überhaupt im Fernsehen stattfinden. Es war ein bisschen ’so tun als sei Jazz eine glamouröse Angelegenheit‘ wo wir als Musiker ja wissen dass es ‚im echten Leben‘ meist nicht so ist. Trotzdem hat es mit einem gewissen Abstand dazu schon auch Spass gemacht darauf mal einzulassen. Für mich war es schön dort viele alte Freunde zu treffen, die man sonst nicht oft sieht….

Aber ich versuche die Veranstaltung als das zu nehmen und zu nutzen was sie ist. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man der Vergabe dieses Preises eine „ultimative Gerechtigkeit“ abverlangt und zu glauben es würden Preise (jeglicher Art) nur die bekommen, die es auch am meisten verdient hätten. Das bei so etwas andere Mechanismen gelten/greifen sollte eigentlich klar sein und dass man eine Bezeichnung ‚Bester Dies und Das National‘ nicht wörtlich bzw. ernst nehmen kann versteht sich finde ich auch von selbst. Man muss sich halt überlegen ob man da mitmachen möchte oder nicht….Das heisst allerdings nicht dass ich nicht finde dass alles richtig läuft bzw. man nichts besser machen könnte. Ich würde es zum Beispiel schon sehr begrüssen, wenn die junge nationale Szene dort mehr Beachtung finden würden (insofern finde ich es auch nicht toll dass Doldinger wieder nominiert wurde, da es so ein ’schwimmen im eigenen Saft‘ ist, wo es doch so viele junge, tolle Musiker gibt die man auch featuren könnte. Das halte ich allerdings nicht Doldinger selbst vor…. Ich glaube dass der Wertschätzung eines Preises generell auf lange Sicht schon schadet, wenn immer die gleichen Leute ausgezeichnet werden.
Bei der Preisverleihung selbst wurden für die Fernsehübertragung alle Laudatios/Preisübergaben der jungen nationalen Preisträger rausgeschnitten und sich stark auf die internationalen Acts konzentriert. Das ist eine vergebene Chance, die junge nationale Szene zu präsentieren…..
Ich fand es im letzten Jahr z.B. gut, dass bei den Nominierten zumindest einige kleinere Labels auch vertreten waren…(nwog, KLAENG) . Generell hat das zumindest im letzten Jahr in eine gute Richtung gezeigt….“

Interview: Bettina Bohle | Foto: Florian Ross

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Über Bettina Bohle 42 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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