Wolfgang Lackerschmid zum ECHO Jazz

Der Vibraphonist und Perkussionist Wolfgang Lackerschmid, der schon mit Chet Baker spielte, war 2016 für seine Produktion „Daktarima-D’Afrique“ in der Kategorie „Besondere Instrumente“ nominiert. Mit JAZZAffine.com sprach er über die Chance von kleineren Labels beim ECHO und seine Haltung zum Preis.

Zur Nominierung …

„Selbstverständlich freue ich mich über die Nominierung!
Da es für mein Instrument keine eigene Rubrik gibt, befinde ich mich in der Kategorie „Besondere Instrumente“, die auch keine eigene nationale Abteilung mehr hat. Dass ich dadurch gemeinsam mit zwei hervorragenden internationalen Virtuosen dort vertreten bin, ist für mich bereits eine schöne Anerkennung.
Auf der CD „Daktarima-D’Afrique“ spiele ich ausschliesslich das Marimbaphon, ein Instrument, welches im Jazz kaum etabliert ist. Im Gegensatz zu meinem Hauptinstrument, dem Vibraphon, musste ich auf den Holzplatten auch eine besondere Spielweise für eine gute Jazz-Phrasierung entwickeln. Dass ich gerade mit dieser Produktion nominiert wurde, zeigt doch, dass die Jury sich die Sachen auch wirklich anhört.“

Zum Einreichungsprozedere …

„Das Label hipjazz, auf dem die CD erschienen ist, ist ein kleines Label, das meine Frau, Stefanie Schlesinger, betreibt. Im Jahr gibt es da nur 1 – 2 Veröffentlichungen. Sie hatte entschieden, dass wir die Platte einreichen, ich selber hätte gar nicht gedacht, dass man da überhaupt eine Chance hat. Die großen Labels können viel mehr Produktionen einreichen. Es ist nachvollziehbar, dass dann von denen auch mehrere erfolgreich sind.
Klar, wenn man von vornherein denkt, man hat eh keine Chance, dann kommt halt nichts. Nach dem alten jüdischen Witz ‚Lieber Gott, lass mich gewinnen in der Lotterie‘ und Gott antwortet ‚Gib mir eine Chance und kauf dir ein Los‘.“

Zur Jurybesetzung …

„Es hat mich zunächst schon etwas verunsichert, als ich gelesen habe, dass bestimmte Labels in der Jury drinsitzen, andere nicht. Aber ich denke: Jeder der überhaupt ein Jazzlabel betreibt, ist mit persönlichem Engagement an dieser Musik interessiert.
Wenn dann bei den Einreichungen gute Musik dabei ist, nominiert man doch auch jemanden, der nicht zu dem eigenen Label gehört.“

Zur Wirkung des Preises …

„Durch die Medienpräsenz hat man gegenüber den Veranstaltern zum Teil schon einen besseren Status. Ist der Name aktuell öfter gelesen und gehört worden, ist die Neugierde auch beim Publikum eher da.“

Interview: Bettina Bohle | Foto: Christian Hartmann

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Über Bettina Bohle 39 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Gräzistik, Philosophie in Glasgow, Greifswald, Padua, London Promotion in Antiker Philosophie an der FU Berlin kulturpolitisch aktiv in der IG Jazz Berlin und der Koalition der Freien Szene
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