Steve Clarke Trio – live im Schnabulenz (Münster)

Am Mittwoch, den 12. Oktober 2016 gastierte der renommierte US-Bassist Steve Clarke im Schnabulenz (Münster). Zusammen mit Walter Fischbacher (Keyboards) und Ulf Stricker (Schlagzeug) lieferten die Musiker als Trio einen gelungenen Konzertabend.

Die Musik bewegt sich zwischen Jazz, Funk & Soul mit reichlich Improvisation. Das sympathische Trio eröffnet den Abend stimmungsvoll und dynamisch mit Peeping Mr JB.

Im Gespräch

Der charismatische Clarke erzählt im Gespräch ausführlich von der zurückliegenden mehrwöchigen Tour durch Osteuropa und Deutschland, die an diesem Abend endet. Morgen geht es zurück in die Vereinigten Staaten, wo er mit anderen Projekten simplere Musik spielt. Dies sei aus finanzieller Sicht leider lukrativer, denn im Musikbuisiness gelte: „less notes, more money“. Einen Gig wie heute mit seinem Trio genießt er daher viel mehr, getreu dem Motto:

„More notes on the bass, much more fun.“

Das beweist Clarke mit rasantem Fingerspiel, aber ebenso perfekter Slap-Technik und sogar zweihändigem Tapping. Während auf seinem aktuellen Album Sparkle where the bass shines (2016) sogar ein Sechs-Saiterbass (Modulus) zum Einsatz kommt, begnügt sich Clarke live mit seinem viersaitigen Sivcak-Bass. Dieser biete Clarke „everything I need for my musical expression and after years of playing six-string, suddenly you´re so much faster with only four strings“, dem schmaleren Griffbrett sei Dank.

In ruhigeren Songs können die Musiker etwas durchatmen, darunter There´s no song without you oder Twinkling Eyes, letzterer mit Bossa-Nova-Feeling. Clarke nutzt dann gelegentlich seine Effektpedale und passt sein Spiel an diese Kompressoren u.ä. an – etwa mit einem deutlich weicheren Bass-Sound durch Betonung der mittleren Frequenzen.

Fischbacher & Stricker

Clarke genießt seine Bühnenpräsenz, lässt aber auch die beiden anderen Musiker nicht im Schatten stehen. Insbesondere Walter Fischbacher dürfte manchen Gästen ein Begriff sein, nicht zuletzt durch seine Band Phishbacher. In seinen Soli brilliert er mit hervorragendem Tastenspiel, aber auch spannenden Kombinationen von elektronischen Sounds. Auf dem Programm stehen seine Komposition wie Mellow Moon Moaning und Papaya, die Einflüsse aus dem klassischen Klavierrepertoire mit Jazz-Elementen vermischen und das Klangspektrum des Abends auf gelungene Weise erweitern.

Ulf Stricker legt mit seinem Schlagzeug ein souveränes Fundament, aus dem er in seinen Soli großartig herausbricht. Besonders gegen Ende des zweiten Sets verschachtelt er kraftvoll-treibende Rock-Elemente mit polyrhythmischen Pattern. Hier zeigt sich sein Können und die Spielfreude, in den nahtlos fließenden Übergängen zum Tutti dann auch das perfekte Zusammenspiel des Trios.

Die Location

Der kleine Konzertraum im Schnabulenz ist gut gefüllt, dennoch bleibt die Location ein Geheimtipp im sonst so jazzfreudigen Münster. Das entspannte Ambiente und die zentrale Lage unweit vom Aasee und der Hammerstraße dürften aber den guten Ruf des Ladens in naher Zukunft verbreiten. Der vergleichsweise hohe Eintritt ist für die professionell agierenden Musiker allemal gerechtfertigt, die Anlage des Ladens hingegen stößt insbesondere bei den harten spielerischen Akzenten wie im Song Sparkle an ihre akustischen Grenzen. Trotzdem genießt das Publikum den Abend und ein Pärchen wagt sogar lockere Tänze, was die Musiker sichtlich freut. Als kleiner Bonus zu einem schönen Konzert wird dann eine eigene Coverversion von You can´t hide love (Earth, Wind & Fire) gespielt.

Über Attila Kornel 16 Artikel
Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Antiken Kulturen Ägyptens u. Vorderasiens an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Bachelor-Abschluss in Musikwissenschaft/Philosophie zum Thema: "Prinzipien der kompositorischen Klangsynthese bei Simon Stockhausen" (2012).; Master-Abschluss in Musikwissenschaft zum Thema: "Ästhetik der Stille. Untersuchung zu europäischen und ostasiatischen Kompositionsverfahren am Beispiel von 'Namucuo' op.53 von Xiaogang Ye und 'Weisse Rose' von Udo Zimmermann" (2015) Seit 2015 Promotions-Studium zur Stille bei modernen Komponisten Chinas an der WWU Münster. In diversen Ensembles als Musiker tätig sowie Übungsleiter für chinesische Kampfkunst und Meditation. 3x (Jazz-)Musik für die Insel: World Of Jazz – The Legends, eine Guqin-CD zur Entspannung und eine externe Festplatte voller Musik zum Entdecken. Mein Motto: Warum über etwas bekümmert sein, dem man abhelfen kann? Und gibt es keine Abhilfe, was nutzt es da, sich zu bekümmern?
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